Der 2. Teil – Spiritualität
Die Wiederentdeckung des Inneren Weges
Hallo Freunde der Weisheit, euer Tobias ist zurück – diese Bücher entstehen aus dem Bemühen, den eigenen Geist zu kultivieren. Sie sind ein Versuch, das innere Brennen zu mildern, das im täglichen Zusammentreffen mit den drei san erwacht – auch ohne die unmittelbare Einbettung in eine Gemeinschaft zur Überwindung (-gha) dieser. In dieser stillen Arbeit wächst der Impuls des Vertrauens, heilsame Qualitäten zu fördern. Und sollte auch nur ein Mitwesen, aus ähnlichen kamma-bīja hervorgegangen wie ich selbst, darin einen Blick auf diese Wahrheiten gewinnen – und ein anderes ihn darin erkennen –, so wären diese Bücher nicht vergeblich geschrieben.
Ich schlage nun zum zweiten Mal den Gong der Weisheit, dessen Klang durch die Hallen der Erkenntnis zieht, um an den ersten Teil anzuknüpfen, der vor allem der konventionellen Wahrheit gewidmet war: ihren Strukturen, Konzepten und ihrer Betrachtung im Lichte heutiger Wissenschaften. Bereits dort sollte deutlich geworden sein, dass das Weltbild des Dhamma/Dharma auf dem Geist als grundlegendes Prinzip ruht – auf dem Citta, dem gedachten Bewusstsein, das sich fortwährend durch bedingte Entstehung wandelt.
Die Absolute Wahrheit jedoch kann nicht durch das bloße Begreifen konventioneller Wahrheiten erfasst werden. Sie erfordert eine tiefgehende Auseinandersetzung mit den Lehren und Konzepten sowohl der Philosophen der damaligen Zeit als auch der Denker der Gegenwart. Erst durch kritische Prüfung und methodische Durchdringung – im Sinne einer Befreiung vom Festhalten an Begriffen, Vorstellungen und intellektuellen Konstrukten – offenbart sich die Lehre des Buddha in ihrer reinen Tiefe.

Denn das gesprochene Wort und jeder Gedanke sind wie ein Fingerzeig auf das, was ist; sie weisen auf die Wirklichkeit, ohne sie selbst zu sein. Wer jedoch an Namen, Formen und Erscheinungen haften bleibt, verkennt die Wahrheit. Nur durch Loslösung von der Fixierung auf Begriffe und durch direkte Einsicht in die bedingte Natur aller Phänomene wird das Dhamma als lebendige Erfahrung verstanden, jenseits von Anhaftung, Illusion und dualistischem Denken.
Über viele Zeitalter hinweg war die Suche nach Wahrheit ein innerer Vorgang. Der Mensch wandte sich nach innen, nicht nach außen: Er erforschte die Bewegungen des eigenen Bewusstseins, die Quellen des Leidens, die Bedingungen des Entstehens und Vergehens aller Erscheinungen. „Spirituelle Suche“ bedeutete nicht das Streben nach übernatürlichen Erfahrungen, sondern die Frage nach der wirklichen Natur des Geistes und der Welt, die sich in ihm spiegelt. Diese innere Wissenschaft war erfahrungsbasiert, präzise und von der Einsicht getragen, dass alle Erkenntnis im Bewusstsein beginnt.
Mit dem Aufstieg der Naturwissenschaften verschob sich dieser Blick. Die wissenschaftliche Methode beginnt notwendigerweise mit dem Messbaren – mit dem, was gezählt, gewogen, reproduziert und intersubjektiv bestätigt werden kann. Dadurch konnte sie Großartiges leisten: Sie entschlüsselte die Strukturen des Kosmos, eröffnete neue Bereiche der Materie und deckte Kausalzusammenhänge auf, die vorher im Dunkeln lagen.
Doch während dieser Methode unbemerkt wuchs, wie eine Landkarte, die immer feiner ausgearbeitet wird, geriet der innere Weg zunehmend in den Hintergrund. Die Karte wurde immer detaillierter – aber sie wurde zugleich fälschlich mit dem Territorium verwechselt. Die Abbildungen der Welt, die Modelle, die Messdaten wurden als vollständige Beschreibung der Wirklichkeit absolut gesetzt. Nicht aus Bosheit, sondern aus einem methodischen Missverständnis: dem Glauben, dass nur das gültig sei, was von außen beobachtet und experimentell bestätigt werden könne.
Was nicht messbar war, erschien zweitrangig, unzuverlässig oder bloße Einbildung. So gerieten spirituelle Wege in den Verdacht des Irrationalen, als wäre die Tiefe des Bewusstseins weniger real als ein Stern, ein Atom oder ein Teilchen. Doch gerade im Buddhismus wird betont, dass Bewusstsein nicht bloß ein Nebenprodukt ist, sondern das Feld, in dem alle Erscheinungen überhaupt erst erfahrbar werden. Die Wissenschaft beschreibt die Formen; der kontemplative Weg erforscht das Erfahren selbst.
Hier beginnt die Grenze der äußeren Wissenschaft – und die Notwendigkeit der inneren. Die Naturwissenschaft kann anzeigen, wie sich Dinge verhalten; sie kann aber nicht erklären, wie und warum Erfahrung überhaupt möglich ist. Sie untersucht Erscheinungen, nicht das Bewusstsein, in dem Erscheinungen aufleuchten. Sie erkennt Strukturen, aber nicht den Wahrnehmenden.
In der buddhistischen Lehre ist genau dieser Punkt zentral:
Die Welt wird nicht verstanden, indem man ihre äußeren Formen klassifiziert, sondern indem man die Bedingungen durchschaut, durch die sie im Geist erscheint. Dhamma bedeutet das Erkennen von Gesetzmäßigkeiten, die sowohl im Geist als auch in der Welt wirken – bedingtes Entstehen, Unbeständigkeit, Nicht-Selbst. Diese Erkenntnis ist nicht rein intellektuell; sie ist erfahrungsbezogen und transformativ.
Die Förderung der Spiritualität bedeutet daher nicht Rückzug in Mystik, sondern die Wiederherstellung eines Erkenntniswegs, der den Geist selbst als wissenschaftliches Instrument verwendet – verfeinert durch Achtsamkeit, Sammlung und klare Einsicht. Ein ungetrübter Geist kann Phänomene in ihrer Entstehung und Auflösung wahrnehmen, ohne von Wunsch, Abneigung oder Verblendung getäuscht zu sein. In diesem Sinn ist Meditation eine Form empirischer Forschung: Sie erforscht direkt die Bedingungen des Bewusstseins.
Wenn äußere Wissenschaft und innere Kontemplation zusammenkommen, entsteht ein vollständigeres Verständnis der Wirklichkeit. Die Wissenschaft schenkt uns präzise Karten; die spirituelle Praxis weist uns auf das Territorium hin. Die eine zeigt die Strukturen der äußeren Welt, die andere die Struktur des Erfahrens selbst. Keine von beiden ist vollständig ohne die andere.
So wird die spirituelle Suche wieder zu dem, was sie immer war:
• ein Weg zur Erkenntnis der wahren Natur aller Dinge,
• ein Weg zur Durchdringung des Bewusstseins,
• ein Weg zur Überwindung der Täuschung,
• ein Weg zur Freiheit von Leiden.
Und die Naturwissenschaft verliert dabei nichts. Im Gegenteil: Sie wird durch die Einsicht ergänzt, dass ihre Landkarten wertvoll sind – aber, dass sie nicht die Wirklichkeit selbst darstellen, sondern nur Hinweise auf eine tiefere, geistige Ordnung, die sich nur im Inneren erschließt.
Inhalt:
Mein Weg nach Nibbāna
Teil 2. Spiritualität – Die Wiederentdeckung des Inneren Weges
von Tobias W.
1. Auflage 2025 Copyriht © 2025-2?
1. Einleitung
2. Spiritualität – Die Wiederentdeckung des Inneren Weges
3. Welche Werkzeuge stehen für die Spirituelle Suche bereit?
4. Die Zwei Wahrheiten als erkenntnistheoretische Ordnung zwischen Wissenschaft und Spiritualität
5. Der Mechanismus des All‘s – ein prozesshaftes Strukturgeschehen ohne Substanz
6. Mitgefühl als kosmisches Prinzip – Warum Mitgefühl den Mechanismus der Welt trägt
7. Aufrechterhaltung der stabilen Weltlage durch kollektives Mitgefühl: Karma als treibende Kraft
10. Erkenne die Ichlosigkeit und gehe den Pfad zur Wahrheit dem Thatagatagarba
11. Die Lüge der Welt hängt an der Geburt und die Absolute Wahrheit ist die Totlosigkeit
13. Das Doppelspaltexperiment auf eine Spirituelle – Philosophische weise Analysiert
14. Zeit als Projektion des Geistes, weil die Leerheit des Dhamma nicht verstanden wird
15 bis 18 folgt 🙄
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