Die Prophezeiung

Die Prophezeiung „Niyata Vivarana“, die einem Bodhisatta den zukünftigen Status als Buddha zusichert, ist ein zentrales Motiv in der buddhistischen Überlieferung. Besonders bedeutend ist die Prophezeiung durch den Buddha Dīpankara an Sumedha, der in einem späteren Zeitalter als Buddha Gotama erscheinen sollte. Diese spirituelle Begebenheit wird in alten Texten wie dem Buddhavaṃsa beschrieben – einem Werk, das zur Khuddaka-Nikāya-Sammlung des Pali-Kanons gehört und die Lebensgeschichten von 24 Buddhas schildert, die dem historischen Buddha Gotama vorausgingen.

Geografisch lässt sich das Umfeld dieser Erzählung in den kulturellen und religiösen Raum des alten Nordindiens einordnen, insbesondere in die Region des Gangesbeckens. Auch wenn Dīpankaras Zeit als mythisches Zeitalter gilt und geografisch nicht präzise lokalisierbar ist, spiegeln die Schilderungen des Ortes Ramma, in dem Dīpankara Buddha lebte, die Idealvorstellung einer alten indischen Stadt wider. Diese Stadt wird als reich, harmonisch und spirituell hochentwickelt beschrieben – ein Motiv, das in indischen Texten häufiger erscheint und die Voraussetzungen für das Erscheinen eines Buddha symbolisiert.

Zwischen 5000 und 500 v. Chr. entwickelte sich das Leben auf dem indischen Subkontinent von frühen bäuerlichen Dorfgemeinschaften bis hin zu hochentwickelten urbanen Kulturen und religiösen Gesellschaftsstrukturen.

Die ersten Siedler lebten in kleinen Dörfern, betrieben Ackerbau und Viehzucht. Mit der Zeit entstanden entlang des Indus und seiner Nebenflüsse große Städte wie Harappa und Mohenjo-Daro. Diese Städte waren architektonisch fortschrittlich: Sie verfügten über geplante Straßennetze, mehrstöckige Häuser aus gebrannten Lehmziegeln, eigene Brunnen, Badezimmer und sogar Latrinen. Ein ausgeklügeltes Abwassersystem leitete das Schmutzwasser aus den Häusern und Straßen ab. Die Städte waren von dicken Mauern geschützt und besaßen zentrale Zitadellen, in denen sich wichtige Gebäude und Tempel befanden. Handel wurde bis nach Ägypten, Mesopotamien und Zentralasien betrieben.

Nach dem Niedergang der Indus-Kultur um 1700 v. Chr. prägte die vedische Zeit das gesellschaftliche und religiöse Leben. Die Arier brachten die Veden – die ältesten heiligen Schriften Indiens – mit. Die vedische Gesellschaft war zunächst halbnomadisch, wurde aber zunehmend sesshaft und urbanisiert. Es entstand das Kastenwesen, das die Gesellschaft in Brahmanen (Priester), Kshatriyas (Krieger), Vaishyas (Händler, Bauern) und Shudras (Dienende) gliederte.

Die Brahmanen waren die Hüter des Wissens und der Weisheit der Veden, nämlich der vier Veden, nämlich des Rigveda, des Yajurveda, des Shyamaveda und des Atharvaveda. Das vedische Wissen wurde als Wort Gottes verehrt. Es war das Eigentum der Brahmanen.

Das Leben war stark religiös geprägt: Rituale, Opfer und Hymnen bestimmten den Alltag. Die Veden galten als göttliche Offenbarung und wurden über Generationen hinweg mündlich weitergegeben. In der spätvedischen Zeit entstanden Städte und Königreiche, die Landwirtschaft wurde intensiviert und der gesellschaftliche Wandel führte zu neuen religiösen und philosophischen Strömungen.

Eine Stadt namens „Ramma“ ist archäologisch nicht nachgewiesen; vermutlich ist Ayodhya gemeint, die im Ramayana als Geburtsort des Gottes Rama gilt und als einer der ältesten und wichtigsten mythischen Orte Indiens betrachtet wird.

So lässt sich das Leben in Indien zwischen 5000 und 500 v. Chr. als ein Wechselspiel zwischen bäuerlicher Sesshaftigkeit, urbaner Hochkultur, religiöser Entwicklung und sozialer Schichtung beschreiben.

Der historische Buddha Siddhattha Gotama wurde später etwa im 6. Jahrhundert v. Chr. im heutigen südlichen Nepal, nahe der Stadt Lumbini, geboren. Er verbrachte sein Leben überwiegend in Regionen, die heute im Grenzgebiet zwischen Nepal und dem nördlichen Indien (insbesondere im heutigen Bihar und Uttar Pradesh) liegen. Bedeutende Orte seines Lebens – wie Lumbini (Geburt), Bodhgaya (Erleuchtung), Sarnath (erste Lehrrede) und Kushinagar (Parinirvana) – sind heute wichtige Pilgerstätten des Buddhismus und geben geografisch konkrete Anhaltspunkte für das Leben Gotamas.

Der mythologische Rahmen der Niyata Vivarana allerdings reicht weit über diese historische Epoche hinaus und symbolisiert die spirituelle Tiefe und kosmische Dimension des Buddha-Werdens. Die Geschichte von Sumedha, der in einer vergangenen Weltzeit in asketischer Aufopferung dem Buddha Dīpankara dient, ist dabei nicht nur eine biografische Rückblende, sondern Ausdruck eines zentralen Verständnisses im Buddhismus: Buddhas entstehen nicht zufällig, sondern durch viele Äonen der geistigen Vorbereitung, die an bestimmten Wendepunkten – wie der „Niyata Vivarana“ – göttlich bzw. durch erleuchtete Wesen bestätigt wird.

Zusammenfassend zeigt die Prophezeiung nicht nur den Beginn der spirituellen Reise des Gotama-Bodhisatta, sondern verankert diese auch im kulturellen, religiösen und geografischen Raum Altindiens. Die Legende ist sowohl eine spirituelle Lehre als auch ein kulturelles Zeugnis der tiefen Verbindung zwischen Geografie, Geschichte und Mythologie im frühen Buddhismus

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Die 29 Buddhas

In der buddhistischen Tradition, insbesondere im Theravāda-Buddhismus, werden 29 benannte Buddhas überliefert, deren Leben und Lehren in den Suttas des Pali-Kanons beschrieben sind. Der historische Buddha Gotama ist der 28. dieser Reihe. Bemerkenswert ist, dass Gotama als Bodhisatta (zukünftiger Buddha) 27 dieser Buddhas begegnet ist. Von allen empfing er die „Niyata Vivarana“ – die unwiderrufliche Prophezeiung, dass er in einem zukünftigen Weltzeitalter selbst ein Buddha werden würde. Diese Prophezeiung bedeutet jedoch zugleich eine tiefgreifende spirituelle Einschränkung: Ab dem Moment der Niyata Vivarana ist es dem Bodhisatta nicht mehr möglich, die Vier Edlen Wahrheiten – die Grundlage der buddhistischen Erkenntnis – von einem anderen Lehrer zu erlernen. Dies dient dazu, das vorzeitige Erreichen des Nibbāna zu verhindern, da sein Schicksal als zukünftiger Buddha festgelegt ist. Historisch und geografisch lässt sich dieser Rahmen nicht exakt datieren, da viele dieser Buddhas in mythologischen Äonen (Kappa) verortet werden. Dennoch gibt es innerhalb der überlieferten Kosmologie klare Strukturen. Der aktuelle Weltzyklus wird als Mahābhadrakalpa (großer glückverheißender Äon) bezeichnet, in dem fünf Buddhas erscheinen: Kakusandha, Koṇāgamana, Kassapa, Gotama und der noch kommende Metteyya (Maitreya). Buddha Kassapa, der dritte Buddha dieses Kalpas, ist besonders bedeutend, da er der direkte Vorgänger Gotamas war. Seine Biografie wird im 24. Kapitel des Buddhavaṃsa, eines Textes des Pali-Kanons, ausführlich beschrieben. Kassapa wurde in Isipatana (heute Sarnath bei Varanasi in Indien) geboren, einem Ort, der auch für Gotama Buddha eine zentrale Rolle spielte, da dort seine erste Lehrrede stattfand. Kassapas Vater war Brahmadatta, seine Mutter Dhanavatī. In der Überlieferung war sein Körper über 20 Ellen hoch, und er lebte 2.000 Jahre. Seine drei Paläste – Hamsa, Yasa und Sirinanda – symbolisieren seinen weltlichen Reichtum, den er schließlich aufgab, um der spirituellen Wahrheit zu folgen. Er praktizierte nur sieben Tage Askese, bevor er durch eine symbolische Spende seiner Frau (Milchreis) und eines Yavapālaka (Gras für seinen Sitz) zur Erleuchtung unter einem Banyan-Baum gelangte. Kassapas Lehren wurden nach dem Verlöschen seiner Sāsana (Lehre) nicht vollständig bewahrt. Stattdessen überlebten viele Konzepte nur in entstellter oder weltlich interpretierter Form, insbesondere in den vedischen Lehren. Dies erklärt, warum viele Begriffe im Hinduismus und Buddhismus ähnlich erscheinen – wie kamma (karma), jhāna (dhyāna) oder Paṭicca Samuppāda (pratītyasamutpāda). Auch die ursprünglich tiefgründige Praxis der Ānāpānasati-Meditation wurde im Laufe der Jahrhunderte zu einer oberflächlichen Atemübung reduziert. Zur Zeit von Prinz Siddhattha Gotama war dieses verblasste Wissen noch in Bruchstücken vorhanden – ein Umstand, den der Buddha später selbst betonte. So warnte er eindringlich vor der Vergänglichkeit der Lehre und betonte, dass das Zeitfenster, um Nibbāna zu erreichen, kurz sei. Noch wichtiger sei es daher, zumindest die Sotāpanna-Stufe – den ersten Eintritt in den Strom zur Befreiung – zu erreichen, bevor die Lehre erneut verschwindet. Der Buddha verwies auch auf die kosmische Seltenheit eines Buddha-Zeitalters: Vor dem jetzigen Kalpa existierten 30 große Äonen (Mahā Kappa), in denen kein einziger Buddha erschien. In solchen dunklen Zeitaltern – ohne Erleuchtung und wahres Wissen – ist kein Weg zur Befreiung möglich. Die Lehre der Niyata Vivarana ist somit nicht nur ein spirituelles Element buddhistischer Überlieferung, sondern tief eingebettet in eine umfassende kosmische Geografie und Zeitstruktur, die sich über Äonen hinweg erstreckt. Orte wie Lumbinī (Geburtsort Gotamas), Bodhgayā (Ort der Erleuchtung), Isipatana/Sarnath (erste Predigt) und Kusinārā (Ort des Parinirvāṇa) bilden die geografischen Fixpunkte im historischen Raum, während Buddhas wie Kassapa und Dīpankara als Leuchtfeuer in der spirituellen Dunkelheit früherer Zeitalter erscheinen.

 EINLADUNG DER DEVAS

Die letzte Wiedergeburt des Gotama Bodhisatta in der Menschenwelt markiert den entscheidenden Wendepunkt im Zyklus seiner Existenzen – den Moment, in dem der zukünftige Buddha seine jahrtausendelange spirituelle Vorbereitung abschloss und die Geburt als Mensch wählte, um seine Mission zur Befreiung der Welt zu erfüllen. In seiner vorletzten menschlichen Existenz wurde der Bodhisatta als König Wessantara geboren, eine legendäre Figur, bekannt für seine vollkommene Großzügigkeit. In diesem Leben erfüllte er nicht nur die zehn Grundvollkommenheiten (Pāramitā), sondern auch deren höhere und höchste Stufen – insgesamt dreißig Pāramitās – was seine spirituelle Reife als zukünftiger Buddha endgültig vollendete.

Nach dem Tod als Wessantara wurde der Bodhisatta im Thusita-Devaloka (Götterhimmel der Zufriedenheit) wiedergeboren – ein himmlisches Reich, das in der buddhistischen Kosmologie als Wohnort von hochentwickelten Wesen gilt. Dieser Bereich liegt jenseits der irdischen Welt und bietet für die Bewohner ein Leben von unermesslichem Glück und spirituellem Frieden, das – gemessen an menschlicher Zeit – etwa 576 Millionen Jahre dauert.

Als sich das Ende dieses langen göttlichen Daseins näherte und der kosmische Zeitpunkt für das Erscheinen des nächsten, 28. Buddha heranrückte, versammelten sich alle Devas und Brahmas des Universums. Sie baten den Bodhisatta feierlich darum, seine letzte Geburt in der Menschenwelt anzunehmen, um Buddhaschaft zu erlangen und den leidenden Wesen den Weg zur Befreiung zu zeigen. Mit den Worten, dass seine Vollkommenheiten nicht für eine Wiedergeburt als Sakka (Götterkönig), Brahma oder Cakkavatti (universaler Monarch) bestimmt gewesen seien, sondern einzig, um ein Buddha zu werden, baten sie ihn um seine Zustimmung. Der Bodhisatta nahm diese Einladung an.

Bevor er jedoch in einen menschlichen Körper übertrat, führte er die Fünf Großen Betrachtungen (Pañca Mahā Vilokana) durch – eine tiefgreifende Analyse, in der er fünf entscheidende Bedingungen prüfte:

  1. Kāla – die richtige Zeit für das Erscheinen eines Buddha
  2. Dīpa – der passende Kontinent (Jambudīpa, das heutige Südasien)
  3. Dēsa – das geeignete Land innerhalb des Kontinents
  4. Kula – eine geeignete Familie, adlig und moralisch rein
  5. Mātā – eine würdige Mutter, deren Lebensspanne so bemessen ist, dass sie exakt zehn Mondmonate und sieben Tage nach der Empfängnis stirbt, damit kein anderes Wesen je in demselben Mutterleib geboren werden kann.

Der Bodhisatta entschied sich für die Geburt im Reich der Sakyas, einem Fürstengeschlecht im Gebiet des heutigen Grenzraums zwischen Nepal und Nordindien. Er wählte Mahāmāyā, die Königin von Kapilavatthu, als seine Mutter. Nach der buddhistischen Überlieferung empfing sie ihn im Traum, als ein weißer Elefant in ihren Leib eintrat – ein klassisches Symbol für eine reine und erhabene Geburt. Zehn Monate und sieben Tage nach der Empfängnis gebar sie den Bodhisatta im Lumbinī-Hain und starb wie vorherbestimmt wenige Tage danach.

 

Vorstellung des Bodhisatta

Die Empfängnis und Geburt des Bodhisatta Siddhattha Gotama, des späteren Buddha, stellt einen entscheidenden Wendepunkt in der spirituellen und menschlichen Geschichte dar – sowohl mythologisch als auch historisch. Diese Ereignisse sind im Pali-Kanon und in zahlreichen Kommentaren detailliert beschrieben und lassen sich geografisch klar in der Region des nördlichen Indiens und des heutigen Nepals verorten.

Der Bodhisatta wählte für seine letzte Geburt Königin Mahāmāyā, die Gemahlin von König Suddhodana, als seine Mutter. Suddhodana war ein bedeutender Herrscher des Sakya-Clans, einem Fürstengeschlecht kriegerischer Herkunft. Die Sakyas regierten in Kapilavatthu, einer Stadt im Gebiet von Sakya Janapada, das im historischen Madhya Pradesh (heute teils Nordindien, teils südliches Nepal) innerhalb des Kontinents Jambudvīpa lag – jenem Kontinent, auf dem laut buddhistischer Kosmologie alle Buddhas erscheinen.

Die Empfängnis des Bodhisatta fand nach den Überlieferungen am frühen Morgen des Vollmondtags im Monat Āsālha (Juli–August) unter dem Sternbild Uttarāsāḷhā (Nakkhatta) statt. In diesem Moment sollen große kosmische Phänomene eingetreten sein: die Erde bebte, und es traten zweiunddreißig außergewöhnliche Zeichen auf – ein klassisches Element in der buddhistischen Mythologie zur Kennzeichnung bedeutender spiritueller Ereignisse.

In derselben Nacht träumte Königin Mahāmāyā einen symbolischen Traum: Ein weißer Elefant mit einer Lotusblume im Rüssel näherte sich ihr von der rechten Seite, umkreiste sie dreimal im Uhrzeigersinn und trat schließlich von rechts in ihren Leib ein. Der weiße Elefant steht für Reinheit, Stärke und spirituelle Kraft – Eigenschaften, die dem kommenden Buddha zugeschrieben werden. Brahmanische Traumdeuter bestätigten: Ein außergewöhnlicher Sohn war empfangen worden. Sollte er im weltlichen Leben verbleiben, würde er ein Cakkavatti (Universalmonarch); sollte er jedoch auf das Haushälterleben verzichten, würde er ein Sammāsambuddha – ein vollständig Erwachter – werden.

Als sich die Geburt näherte, äußerte Königin Mahāmāyā den Wunsch, zu ihren Eltern nach Devadaha zu reisen – eine Stadt östlich von Kapilavatthu, ebenfalls im heutigen südlichen Nepal gelegen. König Suddhodana willigte ein und organisierte eine feierliche Reise. Die gesamte Strecke zwischen Kapilavatthu und Devadaha wurde mit Fahnen und Bannern geschmückt. Mahāmāyā wurde in einer goldenen Sänfte von einem großen Gefolge begleitet – bestehend aus Höflingen beider Geschlechter.

Geografisch lässt sich diese bedeutende Route rekonstruieren:

Kapilavatthu (vermutlich beim heutigen Tilaurakot in Nepal) war der Regierungssitz des Sakya-Clans.

Devadaha, der Herkunftsort von Mahāmāyā, lag östlich davon und wird heute mit einer archäologischen Stätte nahe dem Fluss Rohini identifiziert.

Zwischen beiden Städten liegt Lumbinī, der Ort, an dem Mahāmāyā während der Reise unter einem Salbaum den Bodhisatta gebar. Lumbinī ist heute ein bedeutendes buddhistisches Pilgerzentrum und UNESCO-Weltkulturerbe.

Diese Reise und Geburt sind nicht nur Teil einer spirituellen Überlieferung, sondern spiegeln auch eine hoch entwickelte religiöse Symbolsprache wider, die kosmologische Ordnung, politische Herrschaft und geografische Realität miteinander verknüpft. Die bewusste Wahl von Ort, Familie und Zeit für die Geburt betont die bewusste und zielgerichtete Inkarnation des Bodhisatta – nicht als Zufall, sondern als Ergebnis eines durchdachten spirituellen Entschlusses, die Menschheit zu befreien.

 

 DIE GEBURT DES BODHISATTA

Am Vollmondtag des Monats Vaishākha (entsprechend April–Mai im gregorianischen Kalender), einem besonders bedeutenden Zeitpunkt im buddhistischen Jahreskreis, fand eines der zentralen Ereignisse in der Geschichte des Buddhismus statt: die Geburt des Bodhisatta Siddhattha Gotama, der spätere Buddha. Dieses Geschehen ist tief in der spirituellen Symbolik verwurzelt und gleichzeitig fest geografisch im südlichen Nepal verankert – im heutigen Lumbinī, einem historischen Ort, der heute zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt.

Königin Mahāmāyā, die Gemahlin von König Suddhodana aus Kapilavatthu (heute Tilaurakot), war auf dem Weg zu ihren Eltern in Devadaha. Auf halbem Weg ließ sie sich im Lumbini-Hain nieder, einem üppigen Garten mit blühenden Salbäumen (Shorea robusta), die in dieser Jahreszeit in voller Blüte standen. Der Ort lag in der damaligen Region Sakya Janapada, im nördlichen Teil des indischen Subkontinents, auf dem legendären Kontinent Jambudvīpa, auf dem laut buddhistischer Kosmologie alle Buddhas erscheinen.

Als Mahāmāyā sich ausruhte und einen Zweig eines prächtig blühenden Mangala-Salbaums berührte, neigte sich der Ast ihr wie von selbst entgegen – ein Zeichen göttlicher Zustimmung. In diesem Moment setzten plötzlich die Wehen ein. Ihre Dienerinnen errichteten einen Vorhang, um ihre Privatsphäre zu wahren, während sie stehend, den Salzweig haltend, das Kind gebar – eine Darstellung, die symbolisch für Reinheit, Würde und Übernatürlichkeit steht.

In den spirituellen Überlieferungen heißt es, dass Brahma Sahampati, der höchste Brahma-Gott, das neugeborene Kind in einem goldenen Netz auffing und es den vier Himmelswächtern (Cātummahārājika Devas) übergab, die es dann auf eine Seidenrolle legten. Dies unterstreicht den transzendenten Charakter des Bodhisatta und seine überweltliche Herkunft.

Unmittelbar nach seiner Geburt vollzog das Neugeborene sieben Schritte in östlicher Richtung – mit jedem Schritt soll eine voll erblühte Lotusblume aus dem Boden emporgewachsen sein, um seine Füße zu empfangen. Beim siebten Schritt blieb das Kind stehen, hob seine rechte Hand mit erhobenem Zeigefinger und sprach sein erstes symbolisches Versprechen:

„Aggo hamasmi lokassa,
Jettho hamasmi lokassa,
Settho hamasmi lokassa,
Ayamantimā jāti, natthi dāni punabbhavo.“

„Ich bin der Höchste der Welt.
Ich bin der Älteste der Welt.
Ich bin der Edelste der Welt.
Dies ist meine letzte Geburt,
Es wird keine Wiedergeburt mehr für mich geben.“

Diese Worte, so mythisch sie auch erscheinen mögen, drücken die Bestimmung des Bodhisatta aus, das Rad der Wiedergeburt zu durchbrechen und das höchste Ziel – die Erleuchtung – zu erreichen.

Zeitgleich mit seiner Geburt ereigneten sich zahlreiche symbolisch bedeutende Ereignisse:

  • Yasodharā, seine zukünftige Gemahlin, wurde geboren.
  • Kantaka, sein künftiges Reitpferd, und Channa, sein Wagenlenker und treuer Begleiter, kamen zur Welt.
  • Ānanda, der später sein engster Schüler und treuer Ordensdiener wurde, wurde geboren.
  • Kāludāyi, der spätere königliche Gesandte, wurde ebenfalls geboren.
  • Und schließlich: Der Bodhi-Baum, unter dem der spätere Buddha seine Erleuchtung erlangen sollte, wuchs in Bodhgayā (im heutigen Bundesstaat Bihar, Indien) zur selben Stunde empor.

Diese gleichzeitigen Geburten und Manifestationen symbolisieren die kosmische Ordnung und Vorbereitung auf die missionarische Aufgabe des Buddhas. Sie zeigen, dass sein Erscheinen nicht isoliert, sondern als spirituelles Zentrum einer umfassenden Bewegung des Erwachens verstanden wurde.

 

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Die Prophezeiung der Brahmanen

Der Bodhisatta erhielt den Namen Siddhartha, was „der, der sein Ziel erreichen wird“ bedeutet. Fünf Tage nach seiner Geburt ließ König Suddhodana den königlichen Palast reinigen und festlich vorbereiten. Wohlriechende Blumen wurden im gesamten Palast verstreut, und edle Düfte parfümierten die Hallen, um die bevorstehende Zeremonie zu ehren.

Zu diesem Anlass wurden einhundertacht weise Brahmanen an den Hof eingeladen – Gelehrte, die sich auf das Deuten körperlicher Merkmale spezialisiert hatten. Sie wurden mit köstlichen Speisen und Getränken versorgt, gemäß der königlichen Tradition. Acht von ihnen – die angesehensten unter ihnen – wurden ausgewählt, um den neugeborenen Prinzen genauer zu untersuchen. Diese acht Brahmanen waren Kondanna, Rama, Dhaja, Lakkhana, Manti, Bhoja, Suyama und Sudatta. Es waren dieselben Brahmanen, die bereits den Traum von Königin Mahamaya – Siddharthas Mutter – vor seiner Empfängnis interpretiert hatten.

Die Gelehrten analysierten die außergewöhnlichen körperlichen Merkmale des Kindes, welche als bedeutsame Zeichen für seine Zukunft galten. Sieben der Brahmanen waren sich einig: Der Prinz trage alle Zeichen eines außergewöhnlichen Wesens. Sie erhoben jeweils zwei Finger und erklärten dem König, dass sein Sohn entweder ein Chakravartin – ein weltbeherrschender Universalmonarch – oder ein vollständig erleuchteter Buddha werden würde.

  • Bereits bei seiner Geburt soll Siddhartha Gautama keine Schmerzen verursacht haben, was als außergewöhnlich gilt.
  • Nach der Legende machte er unmittelbar nach der Geburt sieben Schritte, wobei an jedem Schritt eine Lotosblume aus dem Boden wuchs.
  • Er verkündete dabei, dass dies seine letzte Geburt sei, was seine besondere Bestimmung andeutet.
  • Diese Zeichen symbolisieren Reinheit, Erleuchtung und eine göttliche Herkunft.
  • In den Legenden wird Siddhartha als außergewöhnlich schön und vollkommen beschrieben, mit besonderen körperlichen Merkmalen, die auf seine spätere Erleuchtung hinweisen (z.B. strahlende Haut, ruhiges und gelassenes Wesen).

Nur einer der Brahmanen, der jüngste unter ihnen, Kondanna, erhob lediglich einen Finger. Er hatte ein besonderes Zeichen auf der Stirn des Kindes bemerkt: ein im Uhrzeigersinn gedrehtes Haar (das sogenannte urna roma), ein seltenes Merkmal großer spiritueller Wesen. Kondanna deutete dies als unmissverständliches Zeichen. Er sagte voraus, dass der Prinz keineswegs im weltlichen Leben verbleiben, sondern das Hausleben aufgeben werde, um Erleuchtung zu erlangen. Er werde ein Buddha werden – ein allwissendes Wesen, das dazu bestimmt sei, den Schleier der Unwissenheit von den Augen der weltlichen Wesen zu nehmen.

In Anerkennung seiner Bestimmung gaben die Brahmanen dem Kind den Namen Siddhartha, da er „das Ziel erreichen wird“. Sein zweiter Name, Gotama, bezog sich auf den Namen seines Adelsgeschlechts, den Gotama-Clan, dem seine Familie angehörte.

Kindheit des Prinzen Siddhartha

Die Geburt des Prinzen Siddhartha Gautama, des späteren Buddha, wurde als bedeutsames Ereignis nicht nur auf Erden, sondern auch in den himmlischen Bereichen wahrgenommen. König Suddhodana, Herrscher des Shakya-Reiches, war tief ergriffen und betete seinen neugeborenen Sohn in Ehrfurcht an. Gleichzeitig feierten die Devas – göttliche Wesen – in den dreiunddreißig Wohnstätten (Tavatimsa) freudig die Ankunft des Bodhisatta-Prinzen, eines Wesens, das zur höchsten Erleuchtung bestimmt ist.

Der Asket Asita, auch unter dem Namen Kaladevala bekannt, weilte zur Mittagsruhe in der Sphäre der Devas. Als er die Feierlichkeiten bemerkte, erkundigte er sich nach dem Anlass der Freude. Die Devas antworteten, dass im Palast des Königs Suddhodana ein außergewöhnliches Kind geboren worden sei. Dieses Kind, so erklärten sie, sei ein zukünftiger Buddha, und seine Lehre werde großen Segen über die Welt bringen.

Beeindruckt von dieser Offenbarung und als enger Vertrauter des Königs, stieg Asita unmittelbar von der göttlichen Ebene zur Erde hinab und begab sich in den königlichen Palast von Kapilavastu. König Suddhodana empfing ihn mit großer Ehrerbietung. Er kleidete den jungen Prinzen mit kostbaren Gewändern und brachte ihn zu Asita, um ihn dem weisen Asketen vorzustellen. Dabei ereignete sich ein außergewöhnliches Phänomen: Die Füße des Kindes drehten sich und kamen auf den Haarlocken des Asketen zu ruhen.

Asita erkannte sofort die tiefere Bedeutung dieses Vorgangs. Er wusste, dass niemand im gegenwärtigen Dasein der spirituellen Würde eines Bodhisattas gewachsen war. In einer Geste des tiefen Respekts erhob er sich von seinem Sitz und verneigte sich vor dem Kind. Auch der König, bewegt von dieser Szene, verneigte sich ehrfürchtig vor seinem Sohn – ein seltener Akt eines Herrschers gegenüber seinem eigenen Kind.

Nach diesem Ereignis zeigte Asita eine zwiespältige Reaktion. Er lächelte und weinte zugleich. Die Minister am Hof waren verwundert und fragten ihn nach dem Grund für diese ungewöhnliche Gefühlsäußerung. Asita erklärte, dass er gelächelt habe, weil er erkannt habe, dass der Prinz ein Buddha werden würde – ein Wesen vollkommener Weisheit. Er habe jedoch geweint, da er wisse, dass sein eigenes Leben zu kurz sei, um die Lehre dieses Buddha in der Zukunft selbst zu erleben.

In der Erkenntnis, dass er selbst diesen spirituellen Schatz nicht mehr würde empfangen können, wandte sich Asita an seinen Neffen Nalaka, den Sohn seiner Schwester. Er erkannte in Nalaka das Potenzial, Schüler des künftigen Buddhas zu werden. Asita forderte ihn auf, sich vom weltlichen Leben zurückzuziehen und das asketische Leben anzunehmen, um für den Tag bereit zu sein, an dem der Bodhisatta zur Erleuchtung gelangt.

Obwohl Nalaka aus einer wohlhabenden Familie stammte, gehorchte er seinem Onkel ohne Zögern. Er legte weltliche Güter ab, nahm die gelbe Robe eines Asketen an und zog sich mit einer einfachen Tonschale in die Abgeschiedenheit des Himalayas zurück. Dort wartete er geduldig auf den Moment, an dem der Gotama Buddha seine Lehrtätigkeit aufnehmen würde.

Der Tod der Königin Mahamaya und Siddharthas frühe Betreuung.

Gemäß der letzten der fünf großen Beobachtungen (Pañca Mahā Vilokana) verstarb Königin Mahamaya, die Mutter des Bodhisatta Siddhartha, sieben Tage nach der Geburt ihres Sohnes. Nachdem sie ihre edle Aufgabe erfüllt hatte, den künftigen Buddha zur Welt zu bringen, wurde sie – entsprechend der buddhistischen Überlieferung – in der Götterwelt Tushita wiedergeboren, einem himmlischen Bereich, der für seine Reinheit und spirituelle Erhabenheit bekannt ist. Dort war sie von einem großen Gefolge umgeben, das sie auf ihrer neuen Existenzebene begleitete.

Nach dem Tod seiner Gemahlin Maya, die von allen ehrfürchtig und liebevoll „Mahamaya“, die große Maya genannt wurde, heiratete König Suddhodana deren jüngere Schwester Pajapati, auch bekannt als Mahapajapati Gotami. Sie übernahm nicht nur die Rolle der neuen Königin, sondern auch die Verantwortung für den Halbwaisen Prinz Siddhartha, den sie von da an mit großer Hingabe und Fürsorge als Pflegemutter aufzog.

Mahapajapati Gotami kümmerte sich liebevoll um Siddhartha, als wäre er ihr eigener Sohn. Als Königin an der Seite König Suddhodanas hatte sie selbst zwei leibliche Kinder – einen Sohn und eine Tochter. Dennoch nahm sie Siddhartha mit mütterlicher Wärme und Verantwortung in ihre Obhut und wurde zur entscheidenden Bezugsperson in seiner frühen Kindheit.

So blieb Prinz Siddhartha trotz des frühen Todes seiner Mutter nicht ohne mütterliche Zuwendung. Die fürsorgliche Erziehung durch Mahapajapati Gotami prägte seine Kindheit maßgeblich – eine Frau, die später auch eine bedeutende Rolle in der frühen buddhistischen Geschichte einnehmen wird.

Mahāpajāpatī Gotamī war eine bedeutende Persönlichkeit in der frühen buddhistischen Geschichte – sie war nicht nur die Tante, sondern auch die Ziehmutter des Buddha Siddhartha Gautama und gilt als die erste buddhistische Nonne (Bhikkhunī). Hier ist eine zusammengefasste Darstellung ihrer Mahāpajāpatī Gotamī war die jüngere Schwester von Māyādevī, der Mutter des Buddha. Nachdem Māyādevī kurz nach der Geburt Siddharthas starb, übernahm Mahāpajāpatī seine Pflege und zog ihn wie ihr eigenes Kind auf.

Ihr Wunsch, Nonne zu werden

Nach der Erleuchtung Buddhas beschloss Mahāpajāpatī, sich dem spirituellen Weg zu widmen. Sie bat den Buddha darum, als Frau in den Sangha (die buddhistische Mönchsgemeinschaft) aufgenommen zu werden. Zunächst lehnte der Buddha ab – nicht unbedingt aus Ablehnung gegenüber Frauen, sondern möglicherweise wegen gesellschaftlicher Normen der damaligen Zeit.

Doch Mahāpajāpatī gab nicht auf:

Sie schnitt sich die Haare ab, legte einfache Gewänder an und reiste mit 500 Frauen (vielen von ihnen Witwen der Sakya) zu Fuß zu dem Ort, wo der Buddha sich aufhielt.

Mit Unterstützung von Ananda, einem engen Schüler Buddhas, wurde ihr Anliegen erneut vorgebracht.

Die Gründung des Bhikkhunī-Ordens

Der Buddha stimmte schließlich unter bestimmten Bedingungen zu. Diese beinhalteten die Acht Garudhammas – acht besondere Regeln, die Nonnen einzuhalten hatten. Mit ihrer Zustimmung zu diesen Regeln wurde Mahāpajāpatī Gotamī zur ersten Bhikkhunī und gründete damit den Nonnenorden.

Sie ebnete den Weg für Frauen im Buddhismus, einen eigenen spirituellen Weg zu gehen. Ihre Ausdauer und ihr Mut werden bis heute als Beispiel für Entschlossenheit und Hingabe gefeiert.

Im Pāli-Kanon wird sie auch als Arhat verehrt – jemand, der vollständige Erleuchtung erreicht hat.

Die Mutter der Erwachten

In einem Königshaus am Fuße des Himalaya, im alten Indien, lebte eine Frau von stillem Mut und tiefer Einsicht: Mahāpajāpatī Gotamī. Sie war keine Herrscherin über Länder, keine Eroberin von Reichen – und doch war sie berufen, eine der größten Revolutionen der spirituellen Geschichte zu vollbringen.

Sie war die Schwester der Königin Māyā, die Mutter des Bodhisattva Siddhartha. Als Māyā bald nach der Geburt starb, nahm Mahāpajāpatī das neugeborene Kind in ihre Arme. Ohne Zögern nährte sie ihn – nicht nur mit Milch, sondern mit Liebe, Fürsorge und einer Ruhe, die selbst der spätere Buddha nie vergaß. Sie war seine zweite Mutter, aber in Wahrheit war sie immer mehr als das.

Jahre vergingen. Der junge Prinz verließ den Palast, entsagte allem Weltlichen, und wurde schließlich – nach langer Suche – der Erwachte, der Buddha. Die Welt begann, sich um sein Wort zu sammeln. Männer aus allen Kasten traten in den Sangha ein, auf der Suche nach dem Pfad zur Befreiung. Aber die Frauen? Sie standen am Rande. Beobachtend. Wartend. Fragend.

Auch Mahāpajāpatī fragte – nicht aus Rebellion, sondern aus tiefem Verstehen: „Warum sollte der Dharma, der die Natur aller Dinge durchdringt, nur Männern offenstehen? Ist nicht Leid geschlechtslos? Ist nicht das Streben nach Freiheit ein universelles Feuer?“

Sie trat vor den Buddha, nun nicht mehr als seine Tante, sondern als Wahrheitssuchende. Und sie bat um Aufnahme in den Orden. Der Buddha – weise, aber auch geprägt von den Normen seiner Zeit – zögerte. Dreimal bat sie. Dreimal lehnte er ab.

Doch wer den Pfad zur Wahrheit kennt, der lässt nicht ab, nur weil sich der Wind sträubt. Mahāpajāpatī schnitt sich die Haare ab, legte die königlichen Gewänder ab, kleidete sich in das einfache Tuch der Entsagung – und wanderte barfuß mit 500 Frauen zu jenem Ort, wo der Buddha verweilte.

Ihr Schweigen war mächtiger als jedes Argument. Ihr Opfer war ihr Beweis.

Ananda, der treue Schüler des Buddha, sprach für sie. Und schließlich erkannte der Buddha: Auch Frauen können den Weg zur Befreiung gehen. Unter der Bedingung gewisser Regeln – den Garudhammas – wurde Mahāpajāpatī die erste Bhikkhunī. Sie war die erste Nonne, die Mutter des weiblichen Sangha, die Mutter aller, die durch das Herz und nicht durch das Geschlecht Erwachen suchen.

Ein Erbe des Gleichgewichts

Mahāpajāpatīs Geschichte ist nicht nur eine Erzählung der Vergangenheit. Sie ist ein Spiegel der Frage, die in jedem Suchenden brennt: Wer bin ich jenseits von Form, Name, Rolle? Sie antwortet: Du bist Geist, du bist Pfad, du bist frei – wenn du zu gehen wagst.

Denn wo Weisheit und Mitgefühl zusammentreffen, dort entsteht ein Weg. Und Mahāpajāpatī war eine der ersten, die ihn als Frau betrat – nicht hinter dem Buddha, sondern neben ihm, mit gleichem Schritt.

Die erste Trance des Bodhisatta und die zweite Verehrung durch den König

Während der Kindheit des Bodhisatta Siddhartha ereignete sich ein außergewöhnlicher Vorfall, der in der buddhistischen Überlieferung als ein frühes Zeichen seiner zukünftigen Erleuchtung gilt. Dieser Vorfall spielte sich am Tag der traditionellen Pflugzeremonie ab – ein großes Fest, bei dem die gesamte Stadt Kapilavastu geschmückt wurde. Auch König Suddhodana, der Vater des Prinzen, nahm in festlicher Kleidung an diesem bedeutenden Ereignis teil.

Der junge Siddhartha wurde in einer prunkvollen, goldenen Sänfte zum Zeremonienort gebracht. Dort angekommen, setzte man ihn unter den schattenspendenden Zweig eines Rosenapfelbaums auf ein bequemes Sofa. Der Bereich war mit Vorhängen abgetrennt, und Ammen waren mit der Aufsicht und Pflege des Prinzen beauftragt.

Als die Zeremonie begann, verließen die Ammen ihre Plätze, um dem König und seinem Gefolge beim Pflügen zuzusehen. In diesem unbeobachteten Moment richtete sich der junge Siddhartha auf, setzte sich mit gekreuzten Beinen auf das Sofa und begann – trotz seines zarten Alters – eine Form der Atemmeditation, bekannt als Anapanasati. Dabei praktizierte er bewusstes Ein- und Ausatmen und trat in die erste Trance, ein meditativer Zustand tiefer Konzentration und innerer Ruhe.

Ein besonderes Naturphänomen begleitete dieses Ereignis: Obwohl die Sonne bereits unterging und die Schatten der Umgebung sich verlagerten, blieb der Schatten des Rosenapfelbaums unverändert kreisförmig über dem meditierenden Kind bestehen – wie ein schützender Schirm. Dies wurde als übernatürliches Zeichen gedeutet.

Als die Ammen den Jungen allein vorfanden, waren sie bestürzt. Doch als sie ihn ruhig und in Meditation versunken auf der Couch sahen – umgeben von einem unbewegten Schatten –, erkannten sie, dass sich etwas Außergewöhnliches ereignet hatte. Sie liefen sofort zum König und berichteten ihm:
„Mein Herr, der Prinz sitzt mit gekreuzten Beinen auf dem Sofa und meditiert. Obwohl die Sonne untergegangen ist, bedeckt der Schatten des Baumes ihn weiterhin, wie ein Regenschirm.“

König Suddhodana eilte daraufhin mit großer Eile zu dem Ort. Er war tief bewegt, als er seinen Sohn im Schneidersitz meditierend unter dem Baum sah, in völliger Ruhe, während die Schatten der Bäume ihn weiterhin beschützten. Überwältigt von diesem Wunder und voller Ehrfurcht, verneigte er sich erneut vor seinem Sohn und sprach mit tiefer Rührung:
„Mein lieber Sohn, dies ist das zweite Mal, dass ich dir meinen Respekt erweise.“

Dieses Ereignis gilt im frühen Leben Siddharthas als bedeutsames spirituelles Zeichen seiner zukünftigen Bestimmung, die Welt als Buddha zu erleuchten.

Die Ausbildung des Prinzen Siddhartha und die Bemühungen des Königs, sein Schicksal zu lenken

Im Alter von acht Jahren begann für Prinz Siddhartha eine neue Phase seiner Entwicklung. König Suddhodana, entschlossen, seinen Sohn auf die Pflichten eines künftigen Monarchen vorzubereiten, rief den angesehenen Brahmanen Sarvamitra an seinen Hof. Dieser Gelehrte war umfassend bewandert in sämtlichen Wissensbereichen, die zur Ausbildung eines königlichen Erben erforderlich waren. Unter seiner Anleitung lernte Siddhartha mit außergewöhnlicher Auffassungsgabe und zeigte bald bemerkenswerte Fortschritte. Die überlieferte Erklärung für diese rasche geistige Reife liegt im buddhistischen Verständnis seiner zahlreichen früheren Existenzen: Durch unzählige Leben im Kreislauf der Wiedergeburten hatte der Bodhisatta bereits eine große Fülle an Wissen und Weisheit angesammelt.

Neben den theoretischen Studien wurde Siddhartha auch in den königlichen Künsten und sportlichen Disziplinen unterwiesen. Weitere Lehrer vermittelten ihm den Umgang mit Waffen, insbesondere mit Pfeil und Bogen, sowie Fähigkeiten in Reiten, Kampfkunst und höfischer Etikette. In allen Disziplinen erwies sich der Prinz als herausragend begabt.

Parallel zu seiner Erziehung wurde der Seher Asita, ein bekannter Weiser, an den Hof geladen, um eine Prophezeiung über das Schicksal des Prinzen abzugeben. Der Legende nach verkündete Asita, dass Siddhartha entweder ein großer König, ein sogenannter Chakravartin (Weltherrscher), oder – sofern er mit dem Leid der Welt in Berührung käme – ein großer heiliger Mann werden würde, der das weltliche Leben verlässt, um einen geistigen Weg einzuschlagen.

Diese Worte beunruhigten König Suddhodana zutiefst. Sein Wunsch war es, seinen Sohn als mächtigen Herrscher zu sehen, nicht als religiösen Wandermönch. Er traf daraufhin weitreichende Vorkehrungen, um Siddhartha von jeder Form menschlichen Leidens fernzuhalten. Der Prinz durfte nicht religiös unterwiesen werden, und es wurde alles darangesetzt, dass er keine kranken, alten oder toten Menschen, geschweige denn asketische Wandermönche, zu Gesicht bekam.

Weitere Warnungen kamen von den Brahmanen, die vorhergesagt hatten, dass Siddhartha das weltliche Leben ablehnen würde, sobald er mit vier Zeichen des Leidens konfrontiert werde: dem Anblick eines alten Mannes, eines Kranken, eines Toten und schließlich eines asketischen Mönchs, der dem weltlichen Leben entsagt hatte. Daraufhin ordnete der König an, dass niemand, der einem dieser vier Zustände entsprach, die Stadt betreten dürfe. An allen vier Toren Kapilavastus wurden Wächter postiert, um sicherzustellen, dass Siddhartha von diesen Anblicken verschont blieb.

Um seinen Sohn an das weltliche Leben zu binden, gestaltete Suddhodana das Leben des Prinzen möglichst angenehm und verlockend. Siddhartha wurde mit köstlichen Speisen, edlen Gewändern und zahlreichen Formen der Unterhaltung versorgt. Musiker, Tänzerinnen und Bedienstete sorgten täglich für Ablenkung und Freude. Darüber hinaus ließ der König drei luxuriöse Paläste errichten – Ramma für die Regenzeit, Suramma für den Sommer und Subha für den Winter. Diese Paläste verfügten über neun, sieben und fünf Stockwerke und boten dem Prinzen höchsten Komfort zu jeder Jahreszeit.

Doch trotz all dieser Bemühungen sollte sich das Schicksal erfüllen – der Tag würde kommen, an dem der Prinz das Leid der Welt mit eigenen Augen sehen und eine Entscheidung treffen würde, die sein Leben und die spirituelle Geschichte der Menschheit für immer verändern sollte.

 

Die Hochzeit von Prinz Siddhartha mit Yasodhara – Versuch der Bindung an das weltliche Leben

Um seinen Sohn noch stärker an das weltliche Leben zu binden und ihn von einem spirituellen Pfad abzuhalten, beschlossen König Suddhodana und die Ältesten am Hof, Prinz Siddhartha früh zu verheiraten. Auf ihren Rat hin richtete der König Botschaften an alle angesehenen Familien der Sakya- und Koliya-Dynastie, mit dem Wunsch, eine geeignete Braut für den Prinzen zu finden.

Die Antwort vieler Adliger fiel jedoch skeptisch aus. Trotz der Schönheit und Stärke Siddharthas zweifelten sie daran, ob er über jene kriegerischen Fähigkeiten verfüge, die ein künftiger Herrscher besitzen sollte. Als der König seinem Sohn diese Rückmeldung überbrachte, zeigte sich Siddhartha selbstbewusst. Er ließ öffentlich durch Trommelschläge verkünden, dass er seine Fähigkeiten in sieben Tagen demonstrieren würde, und lud sämtliche Sakyas und Koliyas ein, dieser Vorführung beizuwohnen.

Am festgelegten Tag wurde auf dem königlichen Gelände ein großer Pavillon errichtet. Etwa 160.000 Gäste, darunter viele Adlige beider Clans, versammelten sich, um Zeuge seiner Demonstration zu werden. Vor diesem großen Publikum präsentierte Siddhartha seine Meisterschaft in den achtzehn klassischen Künsten (Silpas), im Umgang mit Pfeil und Bogen und weiteren Fertigkeiten, die von einem königlichen Prinzen erwartet wurden. Seine Leistung überzeugte alle Anwesenden – die Vorbehalte gegen seine Eignung als Herrscher wurden fallengelassen.

Daraufhin erklärten sich zahlreiche Familien bereit, ihre Töchter für die Brautwahl des Prinzen zur Verfügung zu stellen. Für die festliche Svayamvara-Zeremonie, bei der der Prinz seine Braut selbst auswählen sollte, wurden 40.000 prächtig gekleidete Mädchen zum Palast geführt. Nacheinander traten sie vor den Prinzen, der jeder Bewerberin ein symbolisches Geschenk überreichte. Doch keine der jungen Frauen konnte sein Herz berühren.

Erst als Yasodhara, die Tochter von König Suprabuddha aus dem Koliya-Clan, verspätet erschien, wurde die Zeremonie unterbrochen. Zu diesem Zeitpunkt hatte Siddhartha bereits alle vorbereiteten Geschenke verteilt. Kurzentschlossen nahm er eine kostbare Juwelenkette von seinem eigenen Hals und legte sie Yasodhara um die Taille – ein stilles, aber unmissverständliches Zeichen seiner Wahl. Die Minister, die mit der Durchführung der Zeremonie betraut waren, erkannten darin die Entscheidung des Prinzen. Yasodhara wurde als seine Braut angenommen, während die übrigen 40.000 Prinzessinnen als Hofdamen im Palast verblieben.

König Suddhodana war nach der Eheschließung überzeugt, dass er seinen Sohn nun dauerhaft an das weltliche Leben gebunden hatte. Noch am selben Tag ließ er drei große Zeremonien abhalten: die Hochzeit, die Einweihung als Hausherr sowie die Krönung des Prinzen. Diese dreifache Feier markierte einen entscheidenden Wendepunkt im Leben Siddharthas.

In den folgenden dreizehn Jahren lebte der Prinz in größtem Luxus, umgeben von Schönheit und Annehmlichkeiten in den drei königlichen Palästen, die für jede Jahreszeit errichtet worden waren. Dabei achtete der König weiterhin streng darauf, dass Siddhartha keinerlei Kontakt mit Leid oder Vergänglichkeit hatte. Alte, kranke oder verstorbene Menschen durften sich der Stadt nicht nähern. Sogar verwelkte Blumen wurden sorgfältig aus Parks und Gärten entfernt, um dem Prinzen die Illusion ewiger Jugend und Schönheit zu bewahren.

Diese Maßnahmen sollten jedoch nur auf Zeit Wirkung zeigen – das Schicksal des zukünftigen Buddha ließ sich nicht dauerhaft aufhalten.

Die vier Vorzeichen und die Vorbereitung auf die Große Entsagung

Mit zunehmendem Alter und wachsendem geistigen Interesse begann Prinz Siddhartha, sich vom luxuriösen Leben im Palast zu entfremden. Trotz der zahlreichen Vorsichtsmaßnahmen, die König Suddhodana ergriffen hatte, um seinen Sohn vor dem Anblick von Leid und Vergänglichkeit zu schützen, regte sich in Siddhartha der Wunsch nach Abwechslung und Erkenntnis. Er fühlte sich im Palast zunehmend eingeengt und leblos. Die Zeit der „Großen Entsagung“ (Abhiniskramana) rückte näher.

Eines Tages wandte sich Siddhartha an seinen Wagenlenker und engen Vertrauten Channa mit dem Wunsch, einen Ausflug zu unternehmen. Channa spannte daraufhin vier edle weiße Pferde vor den königlichen Wagen, und gemeinsam verließen sie das Palastgelände in Richtung Park.

1. Vorzeichen – Der alte Mann
Auf dem Weg begegnete dem Prinzen eine Gestalt, die ihm völlig fremd war: ein gebrechlicher, zahnloser, grauhaariger Mann, der sich nur mühsam mit einem Stock fortbewegte. Es handelte sich um eine Erscheinung eines Deva, der als altes Wesen die Realität des Alterns symbolisieren sollte. Verwundert hielt Siddhartha den Wagen an und fragte Channa: „Wer ist dieser Mann? Warum ist sein Haar grau? Warum ist sein Körper gekrümmt?“

Channa erklärte ihm, dass es sich um einen gewöhnlichen alten Menschen handle – das unvermeidliche Ergebnis des Alterns. Für Siddhartha, der im Palast bisher nie einen alten Menschen gesehen hatte, war diese Erkenntnis ein Schock. Tief erschüttert und gedankenschwer kehrte er sofort in den Palast zurück. König Suddhodana erfuhr von dem Vorfall und verschärfte die Sicherheitsmaßnahmen erneut, um ähnliche Erlebnisse künftig zu verhindern.

2. Vorzeichen – Der kranke Mann
Einige Tage später bat Siddhartha erneut um einen Ausflug in den Park. Auf dem Weg dorthin stießen er und Channa diesmal auf einen kranken Mann, der unter starken Schmerzen am Boden lag, nach Luft rang und sich vergeblich aufzurichten versuchte. Wieder fragte Siddhartha, was mit dem Mann geschehen sei. Channa antwortete, dass es sich um eine der vielen Krankheiten handle, die Menschen heimsuchen können – unberechenbar und unausweichlich.

Auch dieses Erlebnis erschütterte den Prinzen zutiefst. Die Vorstellung, dass Krankheit jedem Menschen zustoßen kann, unabhängig von Status oder Lebensweise, ließ ihn erneut niedergeschlagen in den Palast zurückkehren.

3. Vorzeichen – Die Leiche
Beim dritten Ausflug trafen sie auf einen Trauerzug, der eine Leiche zum Verbrennungsplatz begleitete. Die Angehörigen weinten und schlugen sich aus Schmerz die Brust. Siddhartha fragte, ob dies das unvermeidliche Ende des menschlichen Lebens sei. Channa bestätigte es mit den Worten: „Der Tod ereilt jeden – ob arm oder reich, jung oder alt.“ Der Prinz erkannte, dass Geburt untrennbar mit Verfall, Krankheit und Tod verbunden ist.

Er begann, das Leben in seiner bisherigen Form zu hinterfragen. Die sorgsam aufgebaute Scheinwelt des Palastes war für ihn endgültig zerbrochen. Der König erfuhr von Siddharthas erneuter Erschütterung und erließ weitere Verbote, darunter das Verbot für Asketen in gelber Robe, die Stadt zu betreten – denn das vierte Vorzeichen war ihm aus alten Prophezeiungen bekannt.

4. Vorzeichen – Der Asket
Trotz aller Verbote zeigten die himmlischen Wesen (Devas) auch das vierte Zeichen. Auf dem nächsten Ausflug erschien dem Prinzen ein Asket in orangefarbener Robe, ruhig, gefasst und frei von weltlichem Begehren. Mit einer Bettelschale in der Hand, bewegte er sich würdevoll und in sich ruhend durch die Welt. Der Kontrast zu den vorherigen Erscheinungen war tiefgreifend. Siddhartha fragte Channa, wer dieser Mann sei. Channa erklärte: „Das ist ein Asket, der das weltliche Leben aufgegeben hat, um Wahrheit und Befreiung von Leid zu suchen.“

Dieser Anblick erfüllte Siddhartha nicht mit Furcht oder Trauer, sondern mit Hoffnung und Erleichterung. Zum ersten Mal erkannte er eine mögliche Antwort auf die ungelösten Fragen von Geburt, Altern, Krankheit und Tod. Er beschloss, den Tag im Park zu verbringen, statt wie zuvor enttäuscht in den Palast zurückzukehren.

Diese vier Begegnungen veränderten das Weltbild des Prinzen grundlegend. Sie konfrontierten ihn mit der Wahrheit über die menschliche Existenz und legten den Grundstein für seinen Entschluss, das Haus zu verlassen und den Weg zur Erleuchtung zu suchen – den Weg des Buddha.

 

Die Geburt von Prinz Rahula stellt einen markanten Moment im Leben von Prinz Siddhartha dar.

Während Siddhartha sich gerade im Vergnügungspark aufhielt und sich auf die Rückkehr in den Palast vorbereitete, erreichte ihn ein Bote des königlichen Palastes. Der Bote überbrachte ihm die Nachricht, dass Prinzessin Yasodhara einen Sohn zur Welt gebracht hatte. Der Bote drängte den Prinzen, rasch zurückzukehren, da der König darauf wartete, dass er anwesend war.

Als Siddhartha von der Geburt seines Sohnes hörte, nahm er dies als eine tiefere Rückkehr zum Familienleben wahr. In seiner Erregung über diese Nachricht äußerte er sich mit den Worten: „Rahulo jato bandhanan jataÿ“, was so viel bedeutet wie „Ein Band wurde geschaffen.“ Diese Worte wurden von einer Sonnenfinsternis begleitet, die als ein bedeutendes Zeichen gedeutet wurde, dass durch die Geburt seines Sohnes eine Bindung zwischen ihm und der weltlichen Existenz entstanden war. Kurz darauf begab sich Prinz Siddhartha zurück zum Palast.

Im Palast angekommen, erfuhr auch König Suddhodana von den Worten seines Sohnes und gab zu verstehen, dass der neugeborene Sohn den Namen Rahula erhalten solle, was die formelle Bestätigung des Namens darstellt. Diese Entscheidung spiegelte das traditionelle königliche Band zwischen Eltern und Kind wider und sollte eine bedeutende Rolle im weiteren Leben des Prinzen und seines Sohnes spielen.

Doch die Geburt von Rahula war nicht der einzige Moment von Bedeutung in der Zeit des Prinzen. Als Siddhartha weiterhin in der Welt der Vergnügungen und weltlichen Freuden verweilte, erlebte er einen tiefgreifenden inneren Wandel, der durch den vierten der „großen Anblicke“ ausgelöst wurde – den Anblick eines Mönchs. Dieser Anblick vermittelte ihm eine innere Ruhe, die sich deutlich von seiner vorherigen Unzufriedenheit unterschied. Zu diesem Zeitpunkt beobachtete auch Kisa Gotami, eine Prinzessin von großer Schönheit, von ihrem Palastbalkon aus das Leben der Stadt. Sie erblickte Siddhartha, als dieser in den Palast zurückkehrte, und äußerte sich freudig über die Pracht der Welt und das Glück des Prinzen.

Sie sprach in einem freudigen Ausruf die Worte: „Die Mutter ist wirklich glücklich. Glücklich ist der Vater. Glücklich ist die Frau. Wer hat schon so einen Mann?“ Diese Worte, besonders das Wort „nibbuta“ – was im Buddhismus „Auslöschung“ oder „Befreiung“ bedeutet – weckten in Siddhartha tiefere Überlegungen. Diese Vorstellung von der Befreiung von weltlichen Bindungen und dem Leid fand in ihm eine tiefgehende Resonanz. Als Reaktion auf die Worte von Kisa Gotami, die er als Zeichen der Erleuchtung empfand, schickte er ihr eine wertvolle Perlenkette. Kisa Gotami nahm dieses Geschenk jedoch als ein Zeichen der Zuneigung des Prinzen an, ohne die tiefere Bedeutung hinter seinen Gedanken zu verstehen.

Wieder im Palast, umgeben von Tänzerinnen, Sängern und Musikern, die versuchten, den Prinzen durch ihre Darbietungen zu erfreuen, bemerkte Siddhartha eine tiefe Unzufriedenheit. Er konnte sich nicht über die Vergnügungen erfreuen, die ihm geboten wurden, und schlief schließlich ein. Als die Künstler bemerkten, dass der Prinz eingeschlafen war, verloren sie ihre Motivation und legten ihre Instrumente nieder, um sich auszuruhen. Als Siddhartha später erwachte und die Tänzerinnen in ihrem ungeschönten Schlafzustand sah, wurden ihm die Vergänglichkeit und die Täuschung der weltlichen Freuden erneut bewusst. Das, was eben noch Schönheit und Anmut war, hatte sich nun in etwas Hässliches verwandelt. Diese Szene verstärkte seinen Wunsch, dem weltlichen Leben zu entfliehen.

Die Reihe von Erlebnissen – die vier großen Anblicke, die Begegnung mit dem „nibbuta“-Gedanken von Kisa Gotami und die Enttäuschung über die flüchtige Schönheit der Tänzerinnen – bestärkten Siddhartha in seinem Entschluss, sich von den weltlichen Bindungen zu lösen. Der Geburtstag seines Sohnes Rahula, obwohl ein bedeutendes Ereignis im Leben des Prinzen, konnte ihn nicht in den Fängen des weltlichen Lebens halten. Siddhartha begann, die Früchte seiner langen Reise durch die Existenzen (Samsara) zu ernten und entschloss sich, dem weltlichen Leben den Rücken zu kehren, um nach Erleuchtung zu streben.

In dieser entscheidenden Stunde verließ Siddhartha das Palastgemach, ging zur Tür und rief Channa, seinen Diener, um das Pferd für die bevorstehende Reise vorzubereiten. Während Channa das Pferd sattelte, erwog Siddhartha noch einen letzten Blick auf seinen Sohn Rahula zu werfen. Langsam schlich er sich in das Schlafzimmer, in dem Yasodhara mit dem schlafenden Kind lag. Er öffnete leise die Tür und sah die friedlich schlafende Königin mit ihrem Sohn. Doch er wusste, dass eine Berührung oder ein Blick auf den kleinen Rahula seine Entscheidung, den Palast zu verlassen, gefährden könnte. „Ich werde meinen Sohn erst wieder sehen, nachdem ich die Erleuchtung erlangt habe“, dachte er, und mit diesem Gedanken verließ er endgültig den Palast, um seinen spirituellen Weg zu suchen.

 

Prinz Siddharthas Verzicht und der Beginn seiner Suche nach Erleuchtung

Prinz Siddhartha, der später als Buddha bekannt werden sollte, verließ eines Nachts den königlichen Palast, um dem weltlichen Leben zu entsagen. In einem entscheidenden Moment seines Lebens rief er sein treues Pferd Kanthaka, das für die Reise gesattelt wurde, und sagte zu ihm: „Mit deiner Hilfe werde ich der Welt entsagen und Erleuchtung erlangen, um alle Menschen und Götter zu erlösen.“ Er bat seinen Diener Channa, beim Stall zurückzubleiben und Kanthakas Schwanz zu halten. Dann brach er während der mittleren Nachtwache im Monat Asalha (Juli) aus dem Palast auf, indem er durch das südöstliche Tor der Stadt ritt. Die Götter, die den Eingang bewachten, öffneten ihm das Tor, ohne dass die Wachen etwas bemerkten. Diese symbolische Geste der göttlichen Unterstützung begleitete Siddhartha auf seiner Reise der Entsagung.

Der Entschluss, dem weltlichen Leben zu entsagen, hatte für Siddhartha eine tiefere spirituelle Bedeutung. Während er von der Wiedergeburt, dem Alter, der Krankheit, dem Tod und dem Leid geprägt war, suchte er nach einer Lösung, die jenseits dieser menschlichen Zustände lag. In einer späteren Reflexion über seine Reise erklärte er: „Warum suche ich nach dem, was unterworfen ist der Geburt, dem Alter, der Krankheit, dem Tod, dem Kummer und dem Verfall? Warum nicht nach dem Ungeborenen, dem Unvergänglichen, dem Unkranken, dem Unsterblichen, dem Kummerlosen, dem Unverdorbenen, dem höchsten Heiligtum der Befreiung?“ Diese Erkenntnis führte ihn zu dem Entschluss, das Nirvana, den Zustand des erlösenden Friedens, zu suchen.

Trotz seines tiefen Entschlusses, den Weg der Erleuchtung zu beschreiten, war Siddhartha nicht frei von Versuchungen und Herausforderungen. Mara, die personifizierte Versuchung und der Herr des Weltlichen, versuchte, den Prinzen davon abzuhalten, seinen Weg fortzusetzen. Mara erschien und sagte: „Herr, verlassen Sie das Königreich nicht. In sieben Tagen wird Ihnen das Rad des Reiches erscheinen, das es Ihnen ermöglicht, über die vier großen Kontinente und ihre zweitausend zugehörigen Inseln zu herrschen. Kehren Sie um und akzeptieren Sie es.“ Doch Siddhartha wies Mara entschieden ab und erklärte: „Mara, ich weiß, dass ich das Rad des Reiches besitzen werde, aber ich möchte keinen Krieg führen und die Räder meines königlichen Streitwagens nicht mit dem Blut unschuldiger Menschen benetzen. Ich werde Erleuchtung erlangen und das gesamte Weltsystem zum Donnern bringen, wenn ich ein Buddha werde.“

Nach dieser Begegnung verschwand Mara, doch er schwor, den Prinzen zu einem späteren Zeitpunkt durch Begierde, Hass oder unfreundliche Gedanken zu ergreifen. Trotz dieser Bedrohung und der Versuchung, das weltliche Leben zu genießen, verließ Siddhartha sein königliches Erbe und die Annehmlichkeiten eines reichen Lebens. Der 29-jährige Prinz, der von Mara wie ein Schatten verfolgt wurde, verwarf seine königliche Pracht und Souveränität mit der Leichtigkeit, mit der man einen Speichelklumpen ausspuckt. Er blickte zurück auf die Stadt und sagte: „Ich werde erst in diese Stadt zurückkehren, wenn ich die Faktoren überwunden habe, die zu Alter, Krankheit und Tod führen.“

Während seiner gesamten Reise wurde Siddhartha von einer göttlichen Schar begleitet. Ein großes Gefolge von Göttern, die brennende Fackeln trugen, schützte ihn. Diese Götter begleiteten ihn vor und hinter ihm sowie zu beiden Seiten. Es wurde gesagt, dass jede Gruppe aus sechzigtausend Göttern bestand. In dieser Nacht sprang das Gefolge auf die andere Seite eines breiten Flusses, der etwa 500 Meter maß, und sicherte somit Siddharthas weiteren Weg.

Diese frühen Ereignisse symbolisieren den Beginn von Siddharthas großer Suche nach dem höchsten Zustand des Friedens, der nur durch das Erreichen der Erleuchtung erlangt werden kann. Der Schritt in die Hauslosigkeit war ein entscheidender Moment, der Siddhartha von der weltlichen Bindung befreite und ihn auf den Weg führte, der ihn letztlich zum Buddha machen sollte.

 

Die Entsagung des Prinzen Siddhartha und der Weg des Asketen Gotama

Im sanften Licht der Morgendämmerung breitet sich Nebel über das Tal von Kapilavatthu, der Heimat des Shakya-Clans, aus. Die königlichen Gärten liegen still, als Prinz Siddhartha Gautama – begleitet von seinem treuen Wagenlenker Channa und dem Pferd Kanthaka – in aller Frühe die Mauern seiner Stadt verlässt. Es ist ein historischer Moment: Der junge Prinz hat sich entschlossen, das weltliche Leben hinter sich zu lassen, um die Ursachen des menschlichen Leidens zu ergründen.

Nach einer nächtlichen Reise erreicht die kleine Gruppe den Fluss Anoma. Das Wasser reflektiert das erste Licht des Tages. Siddhartha steigt ab, überquert den Fluss und betritt damit symbolisch und geografisch neues Terrain. Am Ufer übergibt er Channa den Auftrag, dem König die königlichen Insignien, seinen Schmuck sowie das Pferd zurückzubringen – ein Zeichen des endgültigen Bruchs mit dem königlichen Leben. Channa bittet mehrfach, ihn begleiten zu dürfen, doch Siddhartha lehnt ab. Die familiäre Botschaft ist ihm wichtiger: „Später kannst du dich mir anschließen.“

Dann folgt ein ritueller Akt: Siddhartha zieht sein Schwert, hält mit der linken Hand sein Haar und schneidet es ab – ein symbolischer Schritt der inneren und äußeren Loslösung. Die Überlieferung berichtet, dass Sakka, der Götterkönig, die Haarlocke auffängt und in einer mit Edelsteinen geschmückten Schatulle im Tavatimsa-Himmel verwahrt.

Siddhartha legt seine seidene Gewandung ab. In diesem Moment erscheint Mahābrahmā Ghatikara und überreicht ihm die acht Ausrüstungsgegenstände eines Asketen: drei Roben, eine Almosenschale, ein Wassersieb, ein Gürtel, ein Rasiermesser und eine Nadel. Er nimmt die Mönchskleidung an und tritt fortan als Wanderasket in Erscheinung. Kanthaka leckt zum Abschied Siddharthas Füße und stirbt wenig später vor Kummer. Channa, tief getroffen, kehrt mit der Nachricht nach Kapilavatthu zurück.

Siddhartha, nun ein Asket, begibt sich zunächst in den Mangohain von Anupiya nahe Rajagaha. Dort beginnt eine sechsjährige Wanderschaft, in deren Verlauf Gotama – wie er nun genannt wird – zahlreiche spirituelle Wege erforscht. Er durchquert die weiten Ebenen von Lankapura und wandert entlang des Flusses Neranjana. In dieser Zeit trifft er bedeutende spirituelle Lehrer und widmet sich intensiv dem Yoga. Er meistert die Asanas schnell und erlangt tiefgehende meditative Zustände.

Ein wichtiger Lehrer dieser Phase ist Āḷāra Kālāma, unter dem Gotama lernt, sich in die Dimension des Nichts zu versenken. Doch diese Praxis führt nicht zu endgültiger Befreiung – lediglich zu einer Wiedergeburt in jener geistigen Sphäre. Auch die Lehre von Uddaka Rāmaputta, die Gotama bis zur Dimension von „Weder-Vorstellung-noch-Nicht-Vorstellung“ führt, erweist sich als unzulänglich. Beide Lehren versprechen keinen dauerhaften Frieden, keine Überwindung von Geburt, Alter, Krankheit und Tod.

In seiner Suche geht Gotama weiter und übt sich in der altindischen Schmerz-Askese, einer strengen Praxis der Selbstkasteiung, die in der damaligen vedischen Kultur verbreitet war. Diese Lehren, zum Teil Rückstände aus dem Dhamma früherer Buddhas wie Kassapa, bringen ihm jedoch ebenfalls nicht die ersehnte Klarheit.

Schließlich schließt er sich einer Gruppe von fünf Asketen in den Wäldern bei Hiriwadunna an – einem Gebiet nahe dem heutigen Anuradhapura. Hier lebt er unter einfachsten Bedingungen und unterdrückt jede körperliche Regung durch rigorose Fasten- und Entsagungspraktiken. Sein Körper wird derart geschwächt, dass er dem Tod nahekommt. Doch auch diese extreme Askese bringt keine Erleuchtung.

Diese Phase markiert den Wendepunkt: Gotama erkennt, dass weder luxuriöses Leben noch vollständige Selbstverleugnung zur Befreiung führen. Diese Erkenntnis – später als der „Mittlere Weg“ bekannt – bildet das Fundament seiner späteren Lehre.

Gotama bricht mit der extremen Askese, nimmt Nahrung zu sich und bereitet sich innerlich auf den letzten Abschnitt seines Weges vor – jener, der ihn zur Erleuchtung unter dem Bodhi-Baum bei Bodhgaya führen wird. Seine geographische und spirituelle Reise ist nun vollständig: Vom Palast am Fuße des Himalaya bis zu den Tiefen seiner eigenen Erkenntnis.

 

Siddhartha Gautamas Erwachen unter dem Bodhibaum

Nach Jahren intensiver spiritueller Suche erreicht der Asket Siddhartha Gautama schließlich den Ort Bodhgaya im heutigen Nordostindien. Dort, am Ufer des Flusses Neranjana, setzt er sich in meditativer Versenkung unter einen Bodhibaum (Ficus religiosa). Der Ort wird später als Jaya Siri Maha Bodhi bekannt – der heilige Baum des Sieges.

Die Nacht der Erleuchtung verläuft in drei entscheidenden Phasen. In der ersten Nachthälfte, während der Siddhartha durch die Praxis von Vipassanā, eingeleitet durch Samatha-Meditation, in tiefe Konzentration (Samādhi) versunken ist, erlangt er das erste Wissen: die klare Erinnerung an zahllose frühere Existenzen. Diese Einsicht zeigt ihm die zyklische Natur der Wiedergeburt (Samsāra).

In der zweiten Phase, während der mittleren Nachtwache, folgt das zweite große Wissen – die Erkenntnis des Kamma (karmischen Gesetzes): Wie gute und schlechte Taten zu entsprechenden Wiedergeburten führen. Er sieht das Wirkungsgefüge, das alle Wesen in Daseinskreisläufen bindet.

Am Ende der Nacht – bei Tagesanbruch – erlangt Siddhartha schließlich das dritte und höchste Wissen: die Erkenntnis der Vier Edlen Wahrheiten – jenes universalen Lehrkerns, der das Wesen des Leidens, seine Ursachen, seine Aufhebung und den Weg zur Befreiung umfasst. In diesem Moment wird er zum Buddha, zum Erwachten. Ein Zustand vollkommenen Wissens, Mitgefühls und inneren Friedens ist erreicht.

Doch während dieser entscheidenden Nacht erscheint Mara, der Versucher, begleitet von seinen Horden – Dämonen, Devas und feinstofflichen Wesenheiten –, um Siddhartha von seinem Vorhaben abzubringen. Mara fordert ihn heraus, das Recht auf diesen Platz der Erleuchtung zu beweisen. Als Antwort legt Siddhartha seine rechte Hand auf die Erde und ruft die Erde selbst als Zeugin an. Die Legende berichtet, dass die Erde donnerte und sprach: „Ich stehe sein Zeugnis.“ Mara wird dadurch entmachtet. Seine Armeen fliehen in Panik – die letzte Versuchung ist besiegt, die Erleuchtung vollzogen.

Der frisch erwachte Buddha verweilt noch sieben Wochen in der Umgebung des Bodhibaumes, tief in kontemplativer Achtsamkeit (Ethical Mindfulness). Der Ort wird zur spirituellen Mitte der buddhistischen Welt. Ein späterer Ableger dieses ursprünglichen Baumes wird von der indischen Kaisertochter Sanghamittā nach Sri Lanka gebracht, wo er in Anuradhapura als der „Sri Maha Bodhi“ weiterlebt – heute einer der ältesten historisch dokumentierten Bäume der Welt. Der ursprüngliche Baum in Bodhgaya wurde später durch Naturkatastrophen zerstört. Ein weiterer Ableger des sri-lankischen Baumes wurde zurück an den Ursprungsort gepflanzt.

Inmitten dieser Phase tiefer Reflexion fragt sich der Buddha, ob es überhaupt möglich sei, die Tiefe seines erworbenen Wissens der Welt zu vermitteln. Er glaubt zunächst, dass kein Wesen die subtilen, durchdringenden Wahrheiten seines Dhamma verstehen könne. Da erscheint der Brahma-Gott Sahampati, ein höheres Wesen aus den Himmelsbereichen, und fleht den Buddha an, seine Lehre dennoch zu verkünden. Es gäbe, so sagt Sahampati, Wesen mit nur wenig geistiger Befleckung, die imstande seien, das Dhamma zu verstehen und zu praktizieren.

Sahampatis Bitte bewegt den Buddha tief. Nach kurzem Zögern stimmt er zu, die Welt zu lehren. Diese Entscheidung markiert den Beginn der aktiven Verkündigung der buddhistischen Lehre – eine Lehre, die sich über Jahrtausende hinweg verbreiten und Millionen von Menschen Orientierung geben wird.

 

“Saṁyutta Nikāya 6.1“
1. Paṭhamavagga
Brahmāyācanasutta

 ” […]Die Anziehungskraft Brahmās

So habe ich gehört.
Evaṁ me sutaṁ—

Zu einer Zeit, als der Buddha zum ersten Mal erwacht war, verweilte er bei Uruvelā, am Ufer des Flusses Nerañjarā, unter dem Banyanbaum des Ziegenhirten.
ekaṁ samayaṁ bhagavā uruvelāyaṁ viharati najjā nerañjarāya tīre ajapālanigrodhamūle paṭhamābhisambuddho.

Während er sich in einem privaten Rückzugsort befand, erhob sich folgender Gedanke in seinem Geist:
Atha kho bhagavato rahogatassa paṭisallīnassa evaṁ cetaso parivitakko udapādi:

„Dieses Dhamma, das ich erkannt habe, ist tiefgründig, schwer zu sehen, schwer zu verstehen – friedvoll, erhaben, jenseits konventionellen Denkens, subtil, nur für Weise erfassbar.
“adhigato kho myāyaṁ dhammo gambhīro duddaso duranubodho santo paṇīto atakkāvacaro nipuṇo paṇḍitavedanīyo.

Doch die Menschen erfreuen sich an Anhaftung, sie lieben sie und sind davon begeistert.
Ālayarāmā kho panāyaṁ pajā ālayaratā ālayasammuditā.

Daher ist es für sie schwer, dieses Prinzip zu erkennen – nämlich die spezifische Bedingtheit, das abhängige Entstehen.
Ālayarāmāya kho pana pajāya ālayaratāya ālayasammuditāya duddasaṁ idaṁ ṭhānaṁ yadidaṁ idappaccayatāpaṭiccasamuppādo.

Ebenso schwer ist für sie das Erkennen dessen, was das Schweigen aller Formationen bedeutet – das Loslassen aller Anhaftungen, das Ende des Begehrens, das Erlöschen, das Verlöschen.
Idampi kho ṭhānaṁ duddasaṁ yadidaṁ sabbasaṅkhārasamatho sabbūpadhipaṭinissaggo taṇhākkhayo virāgo nirodho nibbānaṁ.

Wenn ich also dieses Dhamma lehren würde und andere es nicht verstünden, wäre dies ermüdend und beschwerlich für mich.“
Ahañceva kho pana dhammaṁ deseyyaṁ; pare ca me na ājāneyyuṁ; so mamassa kilamatho, sā mamassa vihesā”ti.

Da kamen dem Buddha diese Verse in den Sinn, welche weder übernatürlich eingegeben noch zuvor gehört worden waren:
Apissu bhagavantaṁ imā anacchariyā gāthāyo paṭibhaṁsu pubbe assutapubbā:

„Kicchena me adhigataṁ,
halaṁ dāni pakāsituṁ;
Rāgadosaparetehi,
nāyaṁ dhammo susambudho.
Paṭisotagāmiṁ nipuṇaṁ,
gambhīraṁ duddasaṁ aṇuṁ;
Rāgarattā na dakkhanti,
tamokhandhena āvuṭā”ti.

Da der Erwachte so dachte, neigte sich sein Geist dem Rückzug zu – nicht der Verkündung des Dhamma.
Itiha bhagavato paṭisañcikkhato appossukkatāya cittaṁ namati, no dhammadesanāya.

Brahmā Sahampati, der die Gedanken des Buddha erkannte, sprach bei sich:
Atha kho brahmuno sahampatissa bhagavato cetasā cetoparivitakkamaññāya etadahosi:

„Ach! Die Welt wird verloren gehen! Die Welt wird untergehen! Denn der Geist des Tathāgata, des Erhabenen, des Vollständig Erwachten, neigt sich der Zurückgezogenheit zu und nicht der Darlegung des Dhamma.“
“namissati vata bho loko, vinassati vata bho loko, yatra hi nāma tathāgatassa arahato sammāsambuddhassa appossukkatāya cittaṁ namati, no dhammadesanāyā”ti.

Da verschwand Brahmā Sahampati so leicht, wie ein starker Mann seinen Arm streckt oder beugt, aus dem Brahmā-Himmel und erschien vor dem Buddha.
Atha kho brahmā sahampati—seyyathāpi nāma balavā puriso samiñjitaṁ vā bāhaṁ pasāreyya, pasāritaṁ vā bāhaṁ samiñjeyya; evameva—brahmaloke antarahito bhagavato purato pāturahosi.

Er legte sein Obergewand über eine Schulter, kniete mit dem rechten Knie zur Erde nieder, hob die gefalteten Hände zum Buddha und sprach:
Atha kho brahmā sahampati ekaṁsaṁ uttarāsaṅgaṁ karitvā dakkhiṇajāṇumaṇḍalaṁ pathaviyaṁ nihantvā yena bhagavā tenañjaliṁ paṇāmetvā bhagavantaṁ etadavoca:

„Desetu, bhante, bhagavā dhammaṁ, desetu sugato dhammaṁ.
Santi sattā apparajakkhajātikā, assavanatā dhammassa parihāyanti.
Bhavissanti dhammassa aññātāro”ti.

So sprach Brahmā Sahampati. Und er fügte folgende Verse hinzu:

Pāturahosi magadhesu pubbe,
Dhammo asuddho samalehi cintito;
Apāpuretaṁ amatassa dvāraṁ,
Suṇantu dhammaṁ vimalenānubuddhaṁ.
Sele yathā pabbatamuddhaniṭṭhito,
Yathāpi passe janataṁ samantato;
Tathūpamaṁ dhammamayaṁ sumedha,
Pāsādamāruyha samantacakkhu;
Sokāvatiṇṇaṁ janatamapetasoko,
Avekkhassu jātijarābhibhūtaṁ.
Uṭṭhehi vīra vijitasaṅgāma,
Satthavāha anaṇa vicara loke;
Desassu bhagavā dhammaṁ,
Aññātāro bhavissantī”ti.

Daraufhin betrachtete der Buddha, bewegt vom Mitgefühl für die Welt und der Einladung Brahmās folgend, mit dem „Auge eines Buddha“ die Wesen dieser Welt.
Atha kho bhagavā brahmuno ca ajjhesanaṁ viditvā sattesu ca kāruññataṁ paṭicca buddhacakkhunā lokaṁ volokesi.

Er sah Wesen mit wenig Staub in den Augen und andere mit viel Staub – manche mit scharfen, manche mit schwachen geistigen Fähigkeiten, manche leicht, andere schwer zu lehren. Einige von ihnen sahen die Gefahr in weltlichen Bindungen und im Wiedergeburtskreislauf – andere nicht.
Addasā kho bhagavā … appekacce na paralokavajjabhayadassāvine viharante.

Es war wie bei einem Teich mit blauen, roten oder weißen Lotosblüten: Einige wachsen vollständig unter Wasser, andere erreichen die Oberfläche, und wieder andere erheben sich über das Wasser – unberührt von ihm.
Seyyathāpi nāma uppaliniyaṁ vā paduminiyaṁ vā puṇḍarikiðiyaṁ … tiṭṭhanti.

So erkannte der Buddha die Verschiedenheit der Wesen und ihre jeweilige geistige Reife.
evameva bhagavā buddhacakkhunā lokaṁ volokento … viharante.

Darauf antwortete er Brahmā Sahampati in Versen:

“Apārutā tesaṁ amatassa dvārā,
Ye sotavanto pamuñcantu saddhaṁ;
Vihiṁsasaññī paguṇaṁ na bhāsiṁ,
Dhammaṁ paṇītaṁ manujesu brahme”ti.

Brahmā Sahampati, nun überzeugt, dass seine Bitte erfüllt war, verbeugte sich vor dem Buddha, umrundete ihn respektvoll zur Rechten – und verschwand.
Atha kho brahmā sahampati “katāvakāso khomhi bhagavatā dhammadesanāyā”ti bhagavantaṁ abhivādetvā padakkhiṇaṁ katvā tatthevantaradhāyīti.  [SC]”

 

Nach der Erleuchtung – Die erste Lehrreise des Buddha

Nachdem der Buddha unter dem Bodhi-Baum in Uruvelā – heute identifiziert mit dem Ort Bodh Gaya in Indien – die vollständige Erleuchtung (Bodhi) erlangt hatte, begann er seine erste spirituelle Lehrreise. Diese Reise hatte das Ziel, die fünf früheren Asketengefährten wiederzufinden, mit denen er vor seiner Erleuchtung gemeinsam praktiziert hatte. Diese fünf Asketen – Koṇḍañña, Bhaddiya, Vappa, Mahānāma und Assaji – hatten sich nach der Abkehr des Buddha von der extremen Askese nach Isipathana (dem heutigen Sarnath bei Varanasi im Bundesstaat Uttar Pradesh) zurückgezogen. Dort lebten sie in einer Höhle im als Migadāya bekannten Wildpark, auch als „Garten der Hirsche“ bezeichnet.

Diese Wegstrecke des Buddha von Bodh Gaya bis nach Isipathana ist nicht nur geographisch, sondern auch spirituell von zentraler Bedeutung. Sie symbolisiert den Beginn der aktiven Lehrtätigkeit des Buddha – den Übergang von innerer Verwirklichung zur altruistischen Weitergabe der Erkenntnis. Die Ariya Paryesanā Sutta („Die Edle Suche“) beschreibt detailliert diese Reise und erwähnt verschiedene Begegnungen mit Menschen, die der Buddha unterwegs traf und auf unterschiedliche Weise inspirierte.

In Isipathana angekommen, begegnete der Buddha den fünf Asketen. Trotz ihrer anfänglichen Skepsis gegenüber dem Weg, den Gotama eingeschlagen hatte, wurden sie durch seine Ausstrahlung und seine Worte tief bewegt. In der Folge hörten sie seine erste Lehrrede – das Dhammacakkappavattana Sutta („Die Ingangsetzung des Rades der Lehre“), in dem der Buddha erstmals die Vier Edlen Wahrheiten offenbarte – die Grundlage seiner gesamten Lehre.

Die fünf Asketen wurden damit die ersten Mönche im Sangha, der buddhistischen Gemeinschaft, und damit die ersten Schüler des Buddha. Nach ihrer Unterweisung kehrten sie mit dem Buddha gemeinsam an den Ort seiner Erleuchtung unter den Bodhi-Baum zurück, der als Jaya Siri Maha Bodhi verehrt wird.

Im Anschluss daran lehrte der Buddha unter diesem heiligen Baum weiter, insbesondere auch die drei Brüder Nadee Kassapa, Gayaa Kassapa und Uruwel Kassapa – bedeutende spirituelle Persönlichkeiten jener Zeit. Die drei Brüder waren Asketen mit großer Gefolgschaft, die laut den Pāli-Kanon-Texten (insbesondere in der Vinaya Pitaka und Mahāvagga) in der Region Uruvela lebten – dem heutigen Bodh Gaya in Bihar, Indien. 

Der Bodhi-Baum wurde so zu einem spirituellen Zentrum der frühen buddhistischen Lehrtätigkeit. Auch nachdem ein Nachfahre dieses Baumes von Indien nach Sri Lanka gebracht worden war – und später der ursprüngliche Baum in Bodh Gaya durch eine Naturkatastrophe zerstört wurde –, wurde durch eine Rückführung eines Ablegers aus Sri Lanka nach Indien die symbolische Verbindung zwischen den beiden Ländern erneuert. Der Baum, sowohl physisch als auch in seiner spirituellen Bedeutung, markiert bis heute den Ausgangspunkt der buddhistischen Lehrtradition.

Die erste Lehrreise des Buddha von Bodh Gaya nach Sarnath und die darauffolgenden Unterweisungen bilden somit den geografischen und ideellen Anfang der weltweiten Verbreitung des Dhamma.

 

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