Die zehn Fesseln, auch saṃyojana genannt, die uns an das Universum binden …

Der Weg zum Nibbāna erfordert ein tiefgreifendes Verständnis, nicht nur der Lehre des Buddha, sondern ebenso der feinstofflichen und transzendenten Strukturen, durch die das menschliche Bewusstsein an die Erfahrungswelt(saññā) gebunden ist. In seiner unermesslichen Einsicht identifizierte der Buddha zehn geistige Fesseln (saṃyojana), welche das Wesen des Menschen an den endlosen Kreislauf von Geburt und Tod (saṃsāra) ketten.

Das Wort Samyōjana hat drei Wurzeln (san, yō und ja), die jeweils “Unreinheit”, “binden” und “Geburt” bedeuten.
Die Saṃyojana Sutta (SN 41.1), also im SN = Saṁyutta Nikāya 41.1, führt dazu aus:

“Evameva kho, Bhante, na cakkhu rūpānaṃ saṃyojanaṃ, na rūpā cakkhussa saṃyojanaṃ; yañca tattha tadubhayaṃ paṭicca uppajjāti chandarāgo taṃ tattha saṃyojanaṃ.”

Das bedeutet sinngemäß:
Samyōjana entstehen nicht aufgrund der Augen, die lediglich Objekte (rūpa) sehen, sondern durch das Verlangen, das infolge dieses Sehens entsteht.

Deshalb sollte man eigentlich sagen: “Sehen-ICH” oder “Hören-ICH”, da zunächst der Sinneseindruck in Form eines aufsteigenden Nimitta zum ārammaṇa erscheint und erst danach das Bewusstsein aufsteigt. Erst daraufhin entsteht die Ich-Illusion.

Im Wort Samyōjana bzw. Sanyojana ist also auch “SAN” enthalten; san/sam wird immer durch (rāga, dosa, moha) oder das Verlangen (chanda rāga) nach sinnlichen Freuden ausgedrückt.
Es gibt zudem eine Kategorisierung von Geburten in verschiedenen Bereichen, die mit den Saṁyojana zusammenhängen. Somit existiert noch eine weitere hilfreiche Einteilung, die wir nutzen können.

    1. Persönlichkeitsglaube (sakkāya-diṭṭhi)
    2. Skeptische Zweifel (vicikicchā)
    3. Festhalten an bloßen Regeln und Ritualen (sīlabbata-parāmāsa)
    4. Sinnliches Verlangen (kāma-rāga, kāmacchando)
    5. Feindseligkeit (vyāpāda, byāpādo)

      —–(Es folgen die 5 Höheren Fesseln)—–

    6. Verlangen nach feinstofflicher Existenz (rūpa-rāga)
    7. Verlangen nach immaterieller Existenz (arūpa-rāga)
    8. Überheblichkeit (māna)
    9. Unruhe (uddhacca)
    10. Ignoranz/Unwissenheit (avijjā)

Avijjā schließt die ersten Neun Punkte ein…

Unter diesen Fesseln ist vicikicchā die zweite. Der Begriff vicikicchā setzt sich aus „vi-“ (Trennung, Zweiheit andeutend) und „cikicchā“ (von „nachdenken“, „überlegen“) zusammen. Wörtlich bedeutet er also „das Verlangen zu unterscheiden oder zu überdenken“ – oder philosophisch ausgedrückt: der Zweifel an der Wahrheit. Dieser Zweifel ist Ausdruck einer innerlich versklavten Geisteshaltung, eines Geistes, der nicht klar zu erkennen vermag, weil er nicht fähig ist, ohne sein gati – seine tief verankerte Charakterprägung – zu funktionieren. Diese Geisteshaltung entspringt nicht bloß einem Mangel an intellektuellem Wissen, sondern ist das Ergebnis einer existenziell gewachsenen Desorientierung – einer Verzerrung, die sich über viele Daseinsformen hinweg, auch als anusaya (tiefliegende Neigungen), verfestigt hat.

Noch grundlegender jedoch ist die erste Fessel: sakkāya-diṭṭhi – die Sichtweise, dass sinnliche Freuden auf lange Sicht Glück bringen und von Nutzen seien. “ […] Der Begriff sakkāya setzt sich aus sath („gut“, „nützlich“) und kāya („Ansammlung“, „Haufen“) zusammen. In diesem Zusammenhang verweist kāya auf die pañca upādānakkhandha – die fünf Gruppen des Anhaftens, gewöhnlich als die „fünf greifenden Aggregate“ bezeichnet. Das Wort upādāna bedeutet dabei „Anhaften“ und weist auf eine tiefgehende Verstrickung in das Erlebte hin. [LP]”

Entgegen der verbreiteten Annahme entsteht nicht zuerst das pañcakkhandha – also die bloßen Aggregate – gefolgt vom Anhaften des Geistes daran. Vielmehr beginnt jede Sinneserfahrung bereits mit einer Verzerrung der Wahrnehmung (saññā), was zur Folge hat, dass der Geist – getrieben durch die saṃyojana – sich unmittelbar an das Erlebte klammert. Jedes Erleben wird daher von Anfang an nicht als bloße Wahrnehmung erfahren, sondern als ein pañca upādānakkhandha – als Objekt der Identifikation und Anhaftung.

Diese grundlegende Illusion manifestiert sich insbesondere im weit verbreiteten Glauben, dass sinnliche Freuden dauerhaftes Glück versprechen und Leid abwenden könnten – ein Glaube, der nicht nur trügerisch ist, sondern die fortwährende verzerrte Sichtweise des Geistes festigt. In Abwesenheit tiefer Einsicht in die Lehre des Buddha erscheint dem gewöhnlichen Menschen (puthujjana) das Streben nach dem Sinnlichen als der einzig denkbare Weg zur Überwindung des Leidens – obwohl genau dieses Streben den Geist nur noch enger an die Fessel des saṃsāra bindet.

Die als “geistgefällige Qualitäten” bezeichneten, verzerrten saññā entspringen der schöpferischen Kraft unseres Geistes. Es bedarf einer bewussten Anstrengung, diese Denkgewohnheiten zu durchschauen und loszulassen, im Wissen darum, dass sie als Teil eines göttlichen Gefüges in die Struktur des Universums eingewoben sind. Um jedoch das Fundament dieser Natur zu erkennen, ist es erforderlich, die Begrenztheit einer ausschließlich materiellen Perspektive zu überwinden und sich solchen zeitgenössischen Konzepten zuzuwenden, die in harmonischem Einklang mit dem Buddha Dhamma stehen.

“[…] Nehmen wir an, die Welt besteht nur aus Materie und nichts als Materie (bzw. Energie/E=mc²). Dann müssten die psychologischen Eigenschaften und das Verhalten aller Lebewesen aus den physikalischen Gesetzmäßigkeiten abgeleitet werden können, die die Bindungen der Basenpaare der DNA und damit auch die Eigenschaften der fünf Elemente Kohlenstoff, Wasserstoff, Sauerstoff, Stickstoff und Phosphor beschreiben – und das, ohne zusätzliche Annahmen zu treffen. Doch das ist nicht der Fall, was die eingangs aufgestellte Hypothese widerlegt, dass die Welt nur aus Materie besteht. Dies ist eine klassische reductio ad absurdum: ein Beweis, indem man Burkhard Heims sehr einfaches und wirkungsvolles Argument auf einen Widerspruch reduziert, sodass es transzendente Weltdimensionen geben müsse, in denen sich diese Prozesse abspielen.[HS]”

Man könnte also auch annehmen, dass die Quantentheorie nicht grundlegend ist. Eine ganzheitliche Beschreibung der Welt ohne Bewusstsein ist daher nicht möglich. Quanteneigenschaften skalieren nicht mit großen Systemen, weshalb davon ausgegangen werden kann, dass falsche Prämissen in Quantensystemen zu korrekten Schlussfolgerungen führen.

Aber denn- ” […] “noch bevor sie vollständig verstanden haben, können manche Menschen (saddhānusārī) bestimmte Konzepte akzeptieren, die auf  dem Glauben beruhen (d.h. auf einem Glauben, der auf anderen Konzepten aufgebaut ist, und nicht auf blindem Glauben). Siehe “Sōtapanna anugāmi – keine Geburten mehr in den Apāyās”. [LP]”

Das Überwinden oder Zurückdrängen von vicikicchā (Zweifel) trägt dazu bei, sich von bestimmten falschen Sichtweisen (saññā), die auf irrigen Vorstellungen beruhen, zu befreien. Die falsche Ansicht der sakkāya-diṭṭhi beinhaltet ein verzerrtes Verständnis der Natur dieser Welt beziehungsweise des Universums. Der Buddha lehrte, dass solche Ansichten auf fehlerhaften Konzepten beruhen und den Geist an einer klaren Erkenntnis der Wirklichkeit hindern….

Die zehn saṁyojana („Fesseln“) stellen die subtilen Bindungen dar, durch welche der Geist an den Kreislauf von saṁsāra gefesselt bleibt. Ihre Wurzel liegt in avijjā (Unwissenheit), die als grundlegende Verdunkelung des Erkennens wirkt. Unter ihrem Einfluss erscheinen die Dinge als beständig (nicca), glückhaft (sukha), ichhaft (attā) und rein (subha), obwohl sie in Wahrheit vergänglich (anicca), leidhaft (dukkha), nicht-Ich (anattā) und unrein (asubha) sind. Diese vier vipallāsa (Wahrnehmungsverzerrungen) prägen das Erleben und bilden die Grundlage für Anhaftung (taṇhā) und Abneigung (paṭigha).

Die Aktivierung der saṁyojana ist stets ein Wirken der avijjā. Ein gewöhnlicher Weltling (puthujjana) trägt alle zehn ungebrochen in sich, während ein Erwachter (arahant) frei von ihnen ist. Je mehr dieser Fesseln geschwächt oder überwunden sind, desto durchsichtiger wird die Wirkweise von avijjā: Der sotāpanna hat drei Fesseln zerstört, der sakadāgāmī dieselben und zwei folgende geschwächt, der anāgāmī ist von den groben fünf Fesseln befreit, es bleiben noch die fünf höhere Fesseln und nur im arahatta-phala sind sämtliche Fesseln endgültig durchtrennt.

Aus avijjā entstehen verblendete Handlungen (saṅkhāra), die karmische Spuren (kamma) hinterlassen. Diese speisen sich aus den drei unheilsamen Wurzeln (akusala-mūla): rāga (Gier), dosa (Hass) und moha (Verblendung). So erzeugt der Geist „geistgemachte Realitäten“ – eine subjektive Welt aus wahrnehmbaren Formen (cakkhu-viññeyya-rūpa) –, die sich gemäß den individuellen gati (Neigungen) gestaltet. Solange der Geist unter avijjā steht, bleibt er in dieser selbstgeschaffenen Projektion befangen und unfähig, die Dimension des Nibbāna zu erkennen.

Daraus erwachsen fehlgeleitete Lebensentscheidungen: Was als Glück, Erfolg oder Identität ergriffen wird, erweist sich bei näherem Hinsehen als vergänglich und enttäuschend. Der Mensch, in der Hoffnung auf Erfüllung, greift nach dem, was zerrinnt, und verstrickt sich so in wiederholten Zyklen von Erwartung und Ernüchterung, wobei er zugleich Materie und karmische Energien im nāma-‚Hyperraum‘ hervorbringt, die sich verfestigen und zu neuen Geburten führen.

Im Rahmen der paṭicca-samuppāda (abhängiges Entstehen) zeigt sich, dass jedes Greifen (upādāna) nicht nur auf momentane Objekte gerichtet ist, sondern zugleich neue Strukturen im Bewusstsein hervorbringt.

Nāma (Geistiges) umfasst dabei Kontakt, Gefühl, Wahrnehmung, Absicht und Aufmerksamkeit (phassa, vedanā, saññā, cetanā, manasikāra) und fungiert als subtiler Träger karmischer Information. Dieses nāma wirkt wie ein Hyperraum, in dem karmische Energien – gespeist durch Gier, Hass und Verblendung – Spuren hinterlassen.

In Verbindung mit rūpa (Form/Materie) manifestieren sich diese Energien als erfahrbare Realität: „Gedankenformen“ und karmische Potenziale, die sich schließlich zu neuen Daseinskonstellationen verdichten. So entsteht ein Prozess, in dem der Mensch, getrieben von Erwartung und Enttäuschung, nicht nur sein gegenwärtiges Leiden verstärkt, sondern auch neue kamma-bīja (Samen des Kamma) im nāma ablegt. Diese Samen reifen später in Form neuer Geburten (punabbhava) heran – genau jener Kreislauf, den der Buddha als saṁsāra bezeichnet.

Nur durch das klare Erkennen dieser Dynamik – also das Durchschauen der vipallāsa (Verzerrungen) – kann der Strom karmischer Hervorbringungen unterbrochen werden, sodass nāma und rūpa nicht länger neue Existenzweisen bedingen.

Im Prozess der geistigen Bindung nimmt saññā (Wahrnehmung) eine Schlüsselstellung ein. Verzerrte Wahrnehmung (viparīta-saññā) ist der erste Schritt zur Aktivierung von avijjā; selbst ein unbedeutendes Objekt – etwa ein Grashalm – kann Anhaftung hervorrufen, sofern das entsprechende saṁyojana, etwa das kāma-rāga, noch intakt ist.

Die Praxis der satipaṭṭhāna eröffnet hier einen Schutzraum. In der “[…]satipaṭṭhāna-bhūmi…(Dieser Begriff ist keine direkte Übernahme aus den Pāli-Kanontexten, sondern eine eigene konzeptuelle Synthese von)→ [LP]”…weilt der Geist frei von loka-saññā (weltgebundener Wahrnehmung). Solange er sich darin sammelt, können keine neuen Befleckungen (kilesa) entstehen. Dieser Zustand gleicht einem vorläufigen Vorgeschmack des Nibbāna: einer klaren, unverzerrten Achtsamkeit, in der die Fesseln nicht aktiviert und die vipallāsa durchschaut werden.

Die Zehn Saṁyojana und ihr Abbau auf dem Pfad

Nr.

Saṁyojana (Pāli)Deutsche BezeichnungPuthujjanaSotāpannaSakadāgāmiAnāgāmiArahant
1sakkāya-diṭṭhiPersönlichkeitsglaube
2vicikicchāSkeptische Zweifel
3sīlabbata-parāmāsaFesthalten an Regeln & Ritualen
4kāma-rāgaSinnliches Verlangen(○ abgeschwächt)
5vyāpādaFeindseligkeit(○ abgeschwächt)
6rūpa-rāgaVerlangen nach feinstofflicher Existenz
7arūpa-rāgaVerlangen nach immaterieller Existenz
8mānaÜberheblichkeit
9uddhaccaUnruhe
10avijjāUnwissenheit

Legende:

  •  ● = Fessel voll wirksam
  •  ○ = Fessel abgeschwächt
  •  ✘ = Fessel überwunden

 

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